Fazit/Kurzzusammenfassung:
Das OLG Hamm entschied, dass ein Versicherungsvertreter (VV) den Versicherungsnehmer (VN) über mögliche Deckungslücken beraten muss, wenn dieser erkennbar eine umfassende Absicherung wünscht – hier insbesondere über das Risiko von Hagelschäden bei einer Feuer-Industrie-Versicherung. Unterlässt der VV dies, verletzt er seine Beratungspflicht.
Zusammenfassung der Entscheidung:
a) Wer will was von wem woraus?
Der Versicherungsnehmer (VN) verlangt von dem Versicherungsvertreter (VV) Schadensersatz, weil dieser ihn nicht über das Risiko von Hagelschäden beraten hat, obwohl der VN erkennbar eine umfassende Absicherung (hier: Feuer-Industrie-Versicherung) wünschte.
b) Was hat das Gericht entschieden?
Das OLG Hamm urteilte, dass der VV seine Beratungspflicht verletzt hat, indem er bei Verhandlungen über die Ausweitung des Versicherungsschutzes nicht auf das naheliegende Risiko von Hagelschäden hingewiesen hat.
c) Begründung des Gerichts:
- Grundsätzlich muss der VN sich selbst um seinen Versicherungsschutz kümmern und die Bedingungen verstehen.
- Der VV muss jedoch aktiv beraten, wenn:
- der VN ausdrücklich Beratung wünscht,
- der VN erkennbar eine möglichst umfassende Absicherung anstrebt (z. B. "alle Risiken abdecken") oder
- bei Ausweitung des Schutzes naheliegende Risiken (wie Hagelschäden) nicht abgedeckt sind.
- Da der VV hier das Risiko Hagelschaden nicht angesprochen hat, obwohl es im Kontext der Feuer-Industrie-Versicherung relevant war, liegt eine Pflichtverletzung vor.