Fazit/Kurzzusammenfassung:
Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass Zinsen aus einem gesperrten Bankkonto, das zugunsten des Veräußerers eines Grundstücks eingerichtet wurde, als Einkünfte aus Kapitalvermögen beim Veräußerer steuerpflichtig sind – unabhängig davon, ob der Kaufvertrag später durchgeführt oder rückabgewickelt wird.
Zusammenfassung der Entscheidung:
a) Wer will was von wem woraus?
- Beteiligte:
- Erwerberin (Käuferin eines Grundstücks) und Veräußerer (Verkäufer).
- Sachverhalt:
Die Erwerberin zahlt den Kaufpreis auf ein gesperrtes Bankkonto zugunsten des Veräußerers. Die Parteien vereinbaren, dass die Zinsen aus diesem Konto:
- dem Veräußerer zustehen, falls der Vertrag durchgeführt wird,
- der Erwerberin zustehen, falls sie vom Rücktrittsrecht Gebrauch macht.
- Streitfrage:
Sind die Zinsen bereits mit ihrer Gutschrift beim Veräußerer als Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG) zu versteuern, oder erst bei tatsächlicher Auskehr?
b) Entscheidung des Gerichts:
Der BFH bejaht die Steuerpflicht der Zinsen sofort bei Gutschrift beim Veräußerer – also unabhängig davon, ob der Vertrag später erfüllt oder rückabgewickelt wird.
c) Begründung des Gerichts:
- Die Zinsen fließen wirtschaftlich dem Veräußerer zu, da das Konto zu seinen Gunsten errichtet wurde.
- Die Vereinbarung über die Zinszuordnung bei Rücktritt ändert nichts daran, dass der Veräußerer bereits mit der Gutschrift einen anspruchsbegründenden Tatbestand erfüllt hat.
- Die Steuerbarkeit hängt nicht von der späteren tatsächlichen Auszahlung ab, sondern von der entstandenen Forderung (hier: Zinsgutschrift).
- Die Rücktrittsklausel betrifft nur die zivilrechtliche Zuordnung, nicht die steuerliche Erfassung.
Relevanz:
Die Entscheidung klärt, dass condicional vereinbarte Zinsansprüche (abhängig von Vertragsdurchführung/Rücktritt) bereits mit ihrer Entstehung steuerpflichtig sind, wenn sie wirtschaftlich dem Empfänger zugeordnet werden können.