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ERGEBNISVORSCHLÄGE

LSG Bremen, 25.03.1955 - U 77/54

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Ein Handelsvertreter (HV) ist auch bei Weisungsbindung durch den Unternehmer (U) nicht unfallversicherungspflichtig nach § 537 RVO, da er als selbständiger Gewerbetreibender gilt und kein Angestellter ist. Das Gericht bestätigt seine Unternehmereigenschaft trotz gemeinsamer Kundenbesuche mit dem Prokuristen des U.


Zusammenfassung der Entscheidung:

a) Wer will was von wem woraus? Ein Handelsvertreter (HV) begehrt Unfallversicherungsschutz nach § 537 Nr. 1 oder Nr. 10 RVO (Rechtsverordnung) von der zuständigen Versicherungseinrichtung. Er stützt seinen Anspruch darauf, dass er im Rahmen seines Handelsvertretervertrags (HVV) Anweisungen des Unternehmers (U) ausführt und gemeinsam mit dessen Prokuristen Kundenbesuche durchführt.

b) Was hat das Gericht entschieden? Das Landessozialgericht (LSG) Bremen hat entschieden, dass der HV nicht nach § 537 RVO unfallversichert ist. Seine Tätigkeit bleibt auch dann selbständig, wenn er Weisungen des U befolgt oder gemeinsam mit dessen Angestellten (z. B. Prokuristen) Kundenbesuche durchführt.

c) Begründung des Gerichts:

  1. Selbständigkeit des HV:

    • Der HV trägt das Unternehmerrisiko seines Handelsgewerbes und ist kein Angestellter des U, sondern selbständiger Gewerbetreibender.
    • Der HVV ist zwar eine Unterart des Dienstvertrages, belässt dem HV aber eine selbständige Stellung.
  2. Weisungsbindung kein Indiz für Abhängigkeit:

    • Die Pflicht, Weisungen des U zu befolgen, macht den HV nicht persönlich abhängig im Rechtssinne (Abgrenzung zum Handlungsgehilfen).
  3. Gemeinsame Kundenbesuche:

    • Selbst wenn der HV gemeinsam mit dem Prokuristen des U tätig wird, bleibt seine Unternehmereigenschaft in handels-, arbeits- und steuerrechtlicher Hinsicht unberührt.
  4. Einheitlichkeit der Tätigkeit:

    • Es ist nicht zulässig, einzelne Handlungen des HV isoliert zu betrachten. Seine gesamte Tätigkeit ist unternehmerisch geprägt, auch wenn er bei einzelnen Verrichtungen Weisungen folgt.

Rechtsfolgen: Der HV scheidet damit aus dem Kreis der nach § 537 RVO Versicherten aus. Die Entscheidung betont die Abgrenzung zwischen selbständiger und abhängiger Beschäftigung im Sozialversicherungsrecht.

KI INHALT
Handelsvertreter sind keine Unfallversicherungspflichtigen nach § 537 RVO, da sie selbstständig und mit Unternehmerrisiko tätig sind, auch bei Weisungsgebundenheit. Gemeinsame Kundenbesuche mit Prokuristen ändern nichts an ihrer Selbstständigkeit.
ENTSCHEIDUNGSNAME
STICHWORT
Abgrenzung HV / AN
Scheinselbständigkeit
Zersplittung der Tätigkeit des HV in einen unternehmerischen und einen abhängigen Teil
gemeinsame Durchführung von Kundenbesuchen
Kernbereich der Selbständigkeit
Weisungen des U
FUNDSTELLE
DB 55, 730
BB 55, 804
ZtBl.f.SozVersR 55, 161
VersR 55, 691 LS
AR St. XIV, Ziff. 620
HVR Nr. 110
NORM
§ 84 Abs. 1 Satz 2 HGB
§ 537 Abs. 1 Nr. 1 RVO
§ 537 Abs. 1 Nr. 10 RVO
REDAKTION
Evers
GERICHT
LSG Bremen
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
25.03.1955
AKTENZEICHEN
U 77/54
ECLI
LIEFERUNG
Grundwerk
ÄNDERUNG
01.10.2003