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ERGEBNISVORSCHLÄGE

LG Paderborn, 19.02.1987 - 5 S 284/86 – Werbung an Toilettentüren 2 –

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Das Landgericht Paderborn entschied, dass ein Unternehmer (U) von einem Handelsvertreter (HV) keine „Vertragssumme“ von 3.420,00 DM verlangen kann, wenn der Handelsvertretervertrag (HVV) sittenwidrig (§ 138 Abs. 1 BGB) ist, weil die Gegenleistung des U (Alleinvertretungsrecht für Werbung an Toilettentüren) in keinem angemessenen Verhältnis zur Zahlung steht. Der Vertrag diene primär dazu, den U auf Kosten des HV zu bereichern, ohne dass dieser realistische Chancen auf Provisionen habe.


Zusammenfassung der Entscheidung:

a) Wer will was von wem woraus? Der Unternehmer (U) verlangt von dem Handelsvertreter (HV) die Zahlung einer im HVV vereinbarten „Vertragssumme“ in Höhe von 3.420,00 DM. Diese Summe sollte der HV für den Abschluss des Vertrages entrichten, in dem ihm das Alleinvertretungsrecht für die Vermittlung von Werbekunden in einem bestimmten Postleitzahlbezirk (hier: 4939 Steinheim) eingeräumt wurde. Die Werbekunden sollten für eine postkartengroße Werbung auf der Innenseite von Toilettentüren in gastronomischen Betrieben 2.000,00 DM zzgl. USt zahlen.


b) Was hat das Gericht entschieden? Das Landgericht Paderborn erklärte den HVV für sittenwidrig (§ 138 Abs. 1 BGB) und damit unwirksam. Folglich kann der U die Vertragssumme nicht vom HV verlangen. Der Vertrag verstoße gegen das Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden, da der HV für seine Zahlung keine angemessene Gegenleistung erhalte.


c) Begründung des Gerichts:

  1. Fehlende Gegenleistung:

    • Die vom U angebotene „Gegenleistung“ (Alleinvertretungsrecht) sei nicht werthaltig:
    • Der Markt für Werbung an Toilettentüren sei extrem begrenzt (hoher Preis von 2.000 DM pro Werbefläche, ländliche Struktur des Bezirkes mit geringer Kaufbereitschaft).
    • Der U habe keine konkreten Pachtverträge mit gastronomischen Betrieben vorweisen können, um die Werbeflächen tatsächlich anzubieten.
    • Die AGB des U (z. B. Sammeln von 8 Aufträgen vor Anbringung der Werbung) erschwerten die Vermittlung zusätzlich und verstärkten Misstrauen bei potenziellen Kunden.
  2. Unverhältnismäßigkeit der Vertragssumme:

    • Die 3.420,00 DM stünden in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Wert des Alleinvertretungsrechts, da der HV kaum realistische Chancen habe, Provisionen (40 % pro Auftrag) zu erzielen.
    • Selbst bei Erfolg müsste der HV 8 Kunden vermitteln, bevor die Werbung überhaupt angebracht werde – ein fast unmögliches Unterfangen im zugewiesenen Bezirk.
  3. Systematische Ausbeutung der HV:

    • Der U nutze die finanzielle Notlage vieler HV aus (im Streitfall lebte der HV von Sozialhilfe).
    • Das Geschäftsmodell des U ziele nicht auf den Vertrieb der Werbung, sondern darauf ab, durch wiederholte Vermittlung von HV für dieselben Bezirke die Vertragssummen zu kassieren:
    • Bei Scheitern eines HV könne der U den Bezirk neu besetzen und erneut die Summe verlangen.
    • Selbst bei Erfolg des HV behalte sich der U vor, bei Nicht-Erreichen hoher Umsatzziele (z. B. 32.000 DM halbjährlich) zu kündigen und einen neuen HV einzusetzen.
  4. Verstoß gegen die guten Sitten:

    • Der Vertrag diene primär der Bereicherung des U auf Kosten des HV, ohne dass dieser eine reale Chance auf Gegenleistung habe.
    • Die Praktiken des U (z. B. Anwerbung von HV in prekären Situationen, intransparente Vertragsgestaltung) seien unlauter und verstießen gegen das Anstandsgefühl.

Rechtliche Einordnung: Die Privatautonomie (§ 311 Abs. 1 BGB) finde dort ihre Grenze, wo Verträge gegen die guten Sitten verstoßen. Dies sei hier der Fall, da der U den HV ausbeute und der Vertrag kein faires Äquivalenzverhältnis aufweise.

KI INHALT
"Handelsvertretervertrag über Werbung an Toilettentüren ist sittenwidrig (§ 138 BGB), da keine angemessene Gegenleistung für die Vertragssumme von 3.420 DM besteht. Der Unternehmer nutzt die Notlage der Vertreter aus."
ENTSCHEIDUNGSNAME
Werbung an Toilettentüren 2
STICHWORT
Alleinvertretung
Entgelt für die Vertretungsrechte
Sittenwidrigkeit einer Einstandszahlung
Einstandsvereinbarung
NORM
§ 138 Abs. 1 BGB
§ 9 AGBG
§ 84 ff. HGB
REDAKTION
Evers
GERICHT
LG Paderborn
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
19.02.1987
AKTENZEICHEN
5 S 284/86
ECLI
ECLI:DE:LGPB:1987:0219.5S284.86.0A
LIEFERUNG
Grundwerk
ÄNDERUNG
13.03.2023