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ERGEBNISVORSCHLÄGE

BAG, 13.09.1995 - 2 AZR 587/94

VERFAHRENSINFORMATIONEN

Vorinstanzen LAG Hamburg, 10.06.1994 - 3 Sa 107/93 -; ArbG Hamburg, 17.08.1993 - 17 Ca 12/93 -

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Das Bundesarbeitsgericht (BAG) entscheidet, dass eine Verdachtskündigung unwirksam ist, wenn der Arbeitgeber (AG) den Arbeitnehmer (AN) nicht zuvor angehört oder den Sachverhalt nicht ausreichend aufgeklärt hat. Die Anhörung muss konkret genug sein, damit der AN sich dazu äußern kann. Nachträglich bekannt gewordene Verdachtsmomente können jedoch nachgeschoben werden, wenn die Kündigung auch auf tatsächliche Pflichtverletzungen gestützt wurde.


Zusammenfassung der Entscheidung:

a) Wer will was von wem woraus? Der Arbeitnehmer (AN) wehrt sich gegen eine Verdachtskündigung durch den Arbeitgeber (AG), die auf den Vorwurf einer Straftat oder Pflichtverletzung gestützt ist. Der AN rügt, dass der AG ihn nicht vorher angehört oder den Sachverhalt nicht ausreichend aufgeklärt hat.

b) Was hat das Gericht entschieden? Das BAG bestätigt, dass eine Verdachtskündigung unverhältnismäßig und damit unwirksam ist, wenn der AG:

  • den AN nicht vorher angehört hat (grundsätzliche Wirksamkeitsvoraussetzung) oder
  • nicht alle zumutbaren Anstrengungen zur Aufklärung des Sachverhalts unternommen hat. Allerdings kann der AG nachträglich neue Verdachtsmomente vorbringen, wenn die Kündigung zusätzlich auf tatsächliche Pflichtverletzungen gestützt wurde – selbst wenn diese nicht bewiesen werden können.

c) Begründung des Gerichts:

  • Die Anhörung des AN muss so konkret sein, dass er sich substantiiert verteidigen kann (keine bloße Wertung, sondern konkrete Vorwürfe).
  • Die Anforderungen an die Anhörung des AN sind nicht identisch mit denen der Betriebsratsanhörung (§ 102 BetrVG).
  • Materiellrechtlich ist der AG nicht gehindert, nachträglich Verdachtsmomente nachzuschieben, wenn die Kündigung auch auf andere Pflichtverletzungen gestützt wurde. Ob diese bewiesen werden, ist dabei unerheblich.
KI INHALT
Verdachtskündigung ist unverhältnismäßig, wenn der Arbeitgeber den Sachverhalt nicht ausreichend aufklärt und den Arbeitnehmer nicht anhört. Der Vorwurf muss konkret sein, damit sich der Arbeitnehmer dazu äußern kann. Nachträgliche Verdachtsmomente können geltend gemacht werden, wenn die Kündigung auch auf tatsächliche Pflichtverletzungen gestützt wird.
ENTSCHEIDUNGSNAME
STICHWORT
Verdachtskündigung
Anforderungen an vorherige Anhörung des AN
Nachschieben neuer Belastungstatsachen
NORM
§ 626 BGB
§ 1 KSchG
REDAKTION
GERICHT
BAG
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
13.09.1995
AKTENZEICHEN
2 AZR 587/94
ECLI
LIEFERUNG
01.06.1997
ÄNDERUNG
14.04.2021