Fazit/Kurzzusammenfassung:
Das OLG Frankfurt entschieden, dass ein Anlageberater einen Anleger über das Sonderkündigungsrecht des Emittenten bei Endloszertifikaten (hier: Twin-Win-Zertifikate) aufklären muss, da dies ein maßgebliches Risiko darstellt. Unterlassenes führt zur Schadensersatzpflicht, wobei die Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens für den Anleger streitet.
Zusammenfassung der Entscheidung:
a) Wer will was von wem woraus?
Ein Anleger verlangt von einer Bank (Anlageberater) Schadensersatz wegen fehlerhafter Beratung beim Kauf von Endloszertifikaten (Twin-Win-Zertifikaten). Der Vorwurf: Die Bank habe nicht über das Sonderkündigungsrecht des Emittenten und die damit verbundenen Risiken (bis hin zum Totalverlust) aufgeklärt.
b) Was hat das Gericht entschieden?
Das OLG Frankfurt bestätigte, dass die Bank ihre Aufklärungspflicht verletzt hat. Der Anleger sei nicht ausreichend über das Sonderkündigungsrecht der Emittentin und dessen Folgen (z. B. einseitige Preisbestimmung, Wertverlust) informiert worden. Die Bank hafte daher für den Schaden.
c) Begründung des Gerichts:
- Anlageberatungsvertrag: Ein solcher entsteht bereits durch die Kontaktaufnahme des Anlegers zur Beratung (BGH-Rechtsprechung).
- Aufklärungspflicht: Der Berater muss alle für die Anlageentscheidung relevanten Risiken vollständig erklären – insbesondere bei komplexen Produkten wie Twin-Win-Zertifikaten.
- Sonderkündigungsrecht: Dies ist ein zentrales Risiko, da die Emittentin die Laufzeit einseitig beenden und den Rückzahlungsbetrag nach eigenem Ermessen festlegen kann (möglicher Totalverlust).
- Objektgerechte Beratung: Selbst bei erfahrenen Anlegern muss über unbekannte Anlageformen aufgeklärt werden. Eine kurze telefonische Beratung (hier: 5 Minuten) reicht nicht aus.
- Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens: Die Bank muss beweisen, dass der Anleger die Zertifikate auch bei korrekter Aufklärung gekauft hätte. Diese Vermutung gilt grundsätzlich für alle Aufklärungsfehler.
- Kausalität: Selbst wenn der Totalverlust später durch die Insolvenz der Emittentin eintrat, bleibt die Aufklärungspflichtverletzung kausal für den Schaden.
Kernaussage: Anlageberater müssen über alle maßgeblichen Risiken – insbesondere einseitige Kündigungsrechte des Emittenten – aufklären, sonst haften sie für entstehende Schäden.