Fazit/Kurzzusammenfassung:
Das OLG Köln entscheidet, dass eine an sich nicht sittenwidrige Bürgschaft nichtig ist, wenn sie mit einer vorherigen sittenwidrigen Bürgschaft (wegen krasser finanzieller Überforderung) zusammenhängt oder mehrere Bürgschaften gemeinsam zu einer krassen Überforderung führen.
a) Wer will was von wem woraus?
Ein Gläubiger (z. B. eine Bank) verlangt von einem Bürgen (der dem Hauptschuldner persönlich nahe steht) die Erfüllung einer Bürgschaftsverpflichtung. Der Bürge wendet sich gegen die Inanspruchnahme mit dem Argument, die Bürgschaft sei sittenwidrig und daher nichtig.
b) Was hat das Gericht entschieden?
Das OLG Köln erklärt die streitgegenständliche Bürgschaft für nichtig, obwohl sie isoliert betrachtet den Bürgen nicht krass überfordert. Begründet wird dies damit, dass sie eine vorherige sittenwidrige Bürgschaft ergänzt oder mehrere Bürgschaften in ihrer Gesamtheit eine krasse finanzielle Überforderung des Bürgen darstellen.
c) Begründung des Gerichts:
- Einheitliche Betrachtung: Mehrere Bürgschaften dürfen nicht isoliert bewertet werden, wenn sie wirtschaftlich zusammenhängen.
- Sittenwidrigkeit durch Gesamtbelastung: Selbst wenn eine einzelne Bürgschaft nicht überfordernd wirkt, kann die kumulative Wirkung mehrerer Bürgschaften die Grenze zur Sittenwidrigkeit (§ 138 BGB) überschreiten.
- Schutz des Bürgen: Der Bürge soll vor existenzbedrohenden Verpflichtungen geschützt werden, insbesondere wenn er dem Hauptschuldner emotional oder familiär verbunden ist (z. B. Ehepartner, Familienmitglied).
Relevante Rechtsgrundlage: § 138 Abs. 1 BGB (Sittenwidrigkeit von Rechtsgeschäften).