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ERGEBNISVORSCHLÄGE

BAG, 18.05.1994 - 2 AZR 626/93

VERFAHRENSINFORMATIONEN

Vorinstanzen LAG Düsseldorf, 12.02.1993 - 10 Sa 1559/92 -; ArbG Wuppertal, 15.10.1992 - 2 Ca 3403/92 -

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Das BAG entscheidet, dass eine erneute Anhörung des Personalrats nicht nötig ist, wenn der Arbeitgeber (AG) diesen bereits vor Einschaltung der Hauptfürsorgestelle zur fristlosen Kündigung eines schwerbehinderten Arbeitnehmers (AN) angehört hat – selbst wenn die Zustimmung der Hauptfürsorgestelle erst nach Jahren erteilt wird. Zudem bestätigt das Gericht, dass eine Abmahnung bei hartnäckigen und uneinsichtigen Pflichtverletzungen entbehrlich sein kann.


a) Wer will was von wem woraus? Der Arbeitgeber (AG) möchte die fristlose Kündigung eines schwerbehinderten Arbeitnehmers (AN) durchsetzen. Hierfür benötigt er die Zustimmung der Hauptfürsorgestelle (gemäß § 85 SGB IX a.F., heute § 168 SGB IX) und die Anhörung des Personalrats (gemäß § 102 BetrVG). Der AN oder der Personalrat könnten die Wirksamkeit der Kündigung bestreiten, da zwischen der ersten Personalratsanhörung und der Zustimmung der Hauptfürsorgestelle Jahre vergangen sind.

b) Was hat das Gericht entschieden? Das Bundesarbeitsgericht (BAG) entscheidet:

  1. Eine erneute Anhörung des Personalrats ist nicht erforderlich, wenn der Sachverhalt unverändert bleibt und der AG den Personalrat bereits vor der Einschaltung der Hauptfürsorgestelle angehört hat.
  2. Eine Abmahnung kann entbehrlich sein, wenn der AN hartnäckig und uneinsichtig seine Pflichten verletzt (Bestätigung der Rechtsprechung aus BAG, 12.07.1984 - 2 AZR 320/82).

c) Wie hat das Gericht seine Entscheidung begründet?

  • Keine erneute Personalratsanhörung: Der Zweck der Anhörung (§ 102 BetrVG) ist die Information und Mitwirkung des Personalrats. Wenn dieser bereits frühzeitig gehört wurde und sich der Sachverhalt nicht geändert hat, ist eine Wiederholung formal nicht notwendig. Die späte Zustimmung der Hauptfürsorgestelle ändert nichts an der ursprünglichen Sachlage.
  • Entbehrlichkeit der Abmahnung: Bei schwerwiegenden, wiederholten oder uneinsichtigen Pflichtverletzungen kann eine Abmahnung als Vorstufe zur Kündigung entfallen, da der AN keine Aussicht auf Verhaltensänderung zeigt. Dies gilt besonders bei fristlosen Kündigungen, wo ein sofortiges Handeln des AG erforderlich ist.
KI INHALT
Bei fristloser Kündigung eines schwerbehinderten Arbeitnehmers entfällt die erneute Personalratsanhörung, wenn der Sachverhalt unverändert bleibt und die Hauptfürsorgestelle erst nach langem Verfahren zustimmt. Abmahnung kann bei hartnäckigen Pflichtverletzungen entbehrlich sein.
ENTSCHEIDUNGSNAME
STICHWORT
Kündigung Schwerbehinderter
Zeitpunkt der Beteiligung der Betriebsvertretung
Entbehrlichkeit einer Abmahnung
hartnäckige und uneinsichtige Pflichtverletzung
FUNDSTELLE
DB 95, 532
BB 94, 1643
BB 94, 1857
PersR 94, 436
PersV 96, 82
NORM
§ 626 BGB
§ 21 Abs. 5 SchwbG
§ 108 Abs. 2 BPersVG
§ 74 LPVG-NW
§ 561 ZPO
§ 563 ZPO
REDAKTION
GERICHT
BAG
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
18.05.1994
AKTENZEICHEN
2 AZR 626/93
ECLI
LIEFERUNG
01.04.2000
ÄNDERUNG
20.05.2021