Fazit/Kurzzusammenfassung:
Das LG Traunstein entschied, dass eine nachträgliche Billigung eines Werbeanrufs durch den Angerufenen keine wirksame Einwilligung im Sinne des § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG darstellt. Zudem ist eine pauschale Zustimmung zu zukünftigen Kontakten im Rahmen einer Studie (hier: "Liegen und Schlafen") keine ausreichende Grundlage für Werbeanrufe mit geschäftlichem Ziel. Derwerbende Unternehmer müssen sich aktiv vergewissern, dass die Einwilligung der Angerufenen für konkrete Werbezwecke vorliegt – insbesondere bei ausländischen Datenverkäufern.
a) Wer will was von wem woraus?
- Kläger: Ein Verbraucher, der ungewollte Werbeanrufe erhielt.
- Beklagter: Ein Unternehmer (U), der Kontaktdaten von einem Meinungsforschungsinstitut erworben und für Telefonwerbung genutzt hatte.
- Streitgegenstand: Unterlassung der Werbeanrufe wegen Verstoßes gegen § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG (Verbot unzumutbarer Belästigung durch Werbung) und § 4a BDSG (Datenschutz: fehlende konkrete Einwilligung).
b) Was hat das Gericht entschieden?
- Nachträgliche Billigung ≠ Einwilligung:
- Eine Zustimmung während des Werbeanrufs (z. B. aus Höflichkeit) ist unwirksam, da die Belästigung bereits eingetreten ist.
- Pauschale Studien-Zustimmung unzureichend:
- Die Antwort "ja" auf die Frage, ob man nach einer Studie (z. B. zu "Liegen und Schlafen") von anderen Firmen kontaktiert werden darf, deckt keine Werbeanrufe für geschäftliche Zwecke ab.
- Fehlender Hinweis auf den konkreten Verwendungszweck (hier: Weitergabe an Dritte für Werbung) macht die Einwilligung nach § 4a Abs. 1 BDSG unwirksam.
- Organisationspflichten des Erwerbers:
- Der kaufende Unternehmer muss prüfen, ob die Daten rechtmäßig für Werbung erhoben wurden – besonders bei ausländischen Verkäufern.
- Blindes Vertrauen in die Zusicherung des Verkäufers ("Opt-In-Erlaubnis") ist schuldhaft.
c) Begründung des Gerichts:
- Schutzzweck des § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG:
Verhinderung von psychologischem Druck (z. B. Höflichkeitsfalle) und ungewollten Geschäftsanbahnungen in der Privatsphäre.
- Datenschutzrechtliche Anforderungen:
Eine wirksame Einwilligung erfordert Transparenz über den konkreten Zweck (hier: Weitergabe an Dritte für Werbung). Die Studienfrage war zu allgemein.
- Verschulden:
Bei Zuwiderhandlung gegen eine Unterlassungserklärung wird Verschulden vermutet. Der Erwerber hätte die Datenherkunft und Einwilligungen aktiv überprüfen müssen.