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ERGEBNISVORSCHLÄGE

OLG Karlsruhe, 19.12.1990 - 12 U 171/90

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Das OLG Karlsruhe entscheidet, dass bei einem vom Versicherungsagenten ausgefüllten Antragsformular für die Prüfung einer Obliegenheitsverletzung (§§ 16, 17 VVG) allein die mündlichen Angaben des Versicherungsnehmers (VN) gegenüber dem Agenten maßgeblich sind – nicht die schriftliche Dokumentation. Verweise auf allgemeine Hinweise im Kleingedruckten können die Verantwortlichkeit des VN für die Richtigkeit der Angaben nicht erweitern, wenn der Agent unvollständige Fragen stellt oder Antworten falsch dokumentiert.


a) Wer will was von wem woraus? Der Versicherer will sich von der Leistungspflicht befreien, weil er eine Obliegenheitsverletzung des VN gem. §§ 16, 17 VVG (Anzeigeobliegenheit bei Antragstellung) annimmt. Der VN hatte Gesundheitsfragen im Antragsformular (vom Agenten ausgefüllt) unvollständig oder unrichtig beantwortet.

b) Was hat das Gericht entschieden? Das Gericht gibt dem VN recht: Entscheidend ist, was der VN dem Agenten mündlich mitgeteilt hat – nicht die schriftliche Fassung im Formular. Verweise auf allgemeine Verantwortlichkeitsklauseln im Kleingedruckten sind unwirksam, wenn der Agent die Fragen unvollständig stellt oder Antworten falsch dokumentiert.

c) Begründung des Gerichts:

  • Die Anzeigeobliegenheit bezieht sich auf die tatsächlichen Fragen des Agenten an den VN.
  • Der VN kann nicht für Fehler des Agenten (z. B. unvollständige Fragestellung oder falsche Dokumentation) verantwortlich gemacht werden.
  • Allgemeine Hinweise im Kleingedruckten können die spezifische Verantwortung des VN nicht auf Fälle ausdehnen, in denen der Agent die Angaben nicht korrekt erfasst.
KI INHALT
Bei Antragsausfüllung durch einen Versicherungsagenten kommt es auf die mündlichen Angaben des VN an, nicht auf die schriftliche Dokumentation. Unvollständige Fragestellung oder falsche Dokumentation durch den Agenten entbindet den VN nicht von seiner Anzeigeobliegenheit, selbst bei Hinweisen im Kleingedruckten.
ENTSCHEIDUNGSNAME
STICHWORT
Pflichten des VV bei der Antragsaufnahme
NORM
§ 16 VVG
§ 17 VVG
§ 20 VVG
§ 86 Abs. 3 HGB
REDAKTION
GERICHT
OLG Karlsruhe
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
19.12.1990
AKTENZEICHEN
12 U 171/90
ECLI
ECLI:DE:OLGKARL:1990:1219.12U171.90.0A
LIEFERUNG
Grundwerk
ÄNDERUNG
29.10.2018