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ERGEBNISVORSCHLÄGE

OLG Hamm, 15.02.1993 - 8 U 154/92

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Das OLG Hamm hat entschieden, dass ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot für einen ausscheidenden Gesellschafter, das ihm sowohl jede Tätigkeit als auch jede kapitalistische Beteiligung an Konkurrenzunternehmen verbietet, unwirksam ist, da es gegen die guten Sitten verstößt. Eine geltungserhaltende Reduktion ist nur bei überlanger Bindungsdauer, nicht aber bei inhaltlicher Überschreitung möglich.


Zusammenfassung der Entscheidung:

a) Wer will was von wem woraus? Ein ausscheidender Gesellschafter wendet sich gegen ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot, das ihm durch die Gesellschaft auferlegt wurde. Das Verbot untersagt ihm jede Tätigkeit (auch in unselbstständiger Stellung) sowie jede kapitalistische Beteiligung an Konkurrenzunternehmen. Der Gesellschafter hält dies für unzulässig und verlangt die Feststellung der Nichtigkeit.

b) Was hat das Gericht entschieden? Das OLG Hamm hat das Wettbewerbsverbot für nichtig erklärt, da es inhaltlich zu weit geht und den ausscheidenden Gesellschafter unzumutbar in seiner beruflichen Freiheit beschränkt. Ein solches Verbot sei sittenwidrig (§ 138 BGB) und damit unwirksam. Zudem hat das Gericht klargestellt, dass das Auseinandersetzungsguthaben des Gesellschafters keine Karenzentschädigung darstelle, sondern eine Abfindung für seinen Gesellschaftsanteil sei.

c) Begründung des Gerichts:

  • Unzulässige inhaltliche Weite: Ein Verbot, das dem Gesellschafter sogar eine unselbstständige Tätigkeit oder rein kapitalistische Beteiligungen bei Konkurrenzunternehmen untersagt, gehe über das erlaubte Maß hinaus. Dies führe zu einer unzumutbaren Beschränkung seiner wirtschaftlichen Betätigungsfreiheit.
  • Keine geltungserhaltende Reduktion: Eine Anpassung des Verbots auf ein zulässiges Maß scheide aus, wenn daduch der wirtschaftliche Kern des sittenwidrigen Geschäfts verändert werden müsste (z. B. bei inhaltlicher Überschreitung). Nur bei überlanger Laufzeit sei eine Korrektur möglich.
  • Abgrenzung Karenzentschädigung/Abfindung: Das Auseinandersetzungsguthaben diene nicht als Ausgleich für das Wettbewerbsverbot, sondern als Gegenleistung für den Gesellschaftsanteil.
KI INHALT
Ein zu weit gehendes nachvertragliches Wettbewerbsverbot für ausscheidende Gesellschafter ist nichtig, da es auch unselbständige Tätigkeiten oder kapitalistische Beteiligungen verbietet. Eine geltungserhaltende Reduktion ist bei sittenwidrigem Inhalt nicht möglich, bei überlanger Bindung jedoch mit angemessener Laufzeit aufrechterhaltbar.
ENTSCHEIDUNGSNAME
STICHWORT
Sittenwidrigkeit
nachvertragliches Wettbewerbsverbot im Gesellschaftsvertrag einer GmbH
Auseinandersetzungsguthaben
Karenzentschädigung
geltungserhaltende Reduktion
Wettbewerbsverbot
NORM
§ 138 BGB
§ 112 HGB
REDAKTION
Evers
GERICHT
OLG Hamm
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
15.02.1993
AKTENZEICHEN
8 U 154/92
ECLI
ECLI:DE:OLGHAM:1993:0215.8U154.92.0A
LIEFERUNG
Grundwerk
ÄNDERUNG
18.10.2018