Zurück zu den Ergebnissen

ERGEBNISVORSCHLÄGE

OLG Frankfurt/Main, 21.07.2005 - 6 U 175/04 – SparkassenVersicherung 1 –

VERFAHRENSINFORMATIONEN

rkr.; Vorinstanz LG Wiesbaden, 22.04.2004 - 13 O 87/03 -; der Senat hat die Zulassung der Revision mangels Vorliegens der Voraussetzungen für eine Zulassung der Revision (§ 543 Abs. 2 ZPO) abgelehnt. Die Entscheidung hänge lediglich von der Anwendung der nach wie vor geltenden Grundsätze, die der BGH zur Telefonwerbung im privaten Bereich entwickelt hat, auf den konkreten Einzelfall ab.

zu der Entscheidung vgl. Seichter, jurisPR-WettbR 4/2006 Anm. 3

LEITSÄTZE

Zu diesem Dokument sind in EVERS.OK redaktionell aufbereitete Leitsätze hinterlegt. Ergänzt werden diese durch weiterführende Rechtsprechungs- und Literaturverweise sowie Kommentierungen und Praxishinweise.

Jeder Leitsatz enthält zudem eine KI-generierte Liste mit Leitsätzen vergleichbarer Regelungsgehalte anderer Entscheidungen. Diese können bei der Recherche, der Einordnung verwandter Entscheidungen sowie in „Meine Akten“ weiterverwendet werden.

Für den Zugriff ist eine Anmeldung mit einem entsprechenden Zugang erforderlich.

Anmelden


Zugang auswählen
KI-EXZERPT

Fazit/Kurzzusammenfassung: Ein Versicherungsunternehmen (VU) darf private Versicherungsnehmer (VN) nicht ohne deren ausdrückliche oder konkludente Einwilligung anrufen, um ihnen Änderungen, Ergänzungen oder Verlängerungen bestehender Versicherungsverträge anzubieten. Die bloße Angabe der Telefonnummer bei Vertragsabschluss reicht dafür nicht aus. Das OLG Frankfurt bestätigte, dass solche Anrufe gegen § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG verstoßen, da sie als unzumutbare Belästigung gelten.


Zusammenfassung der Entscheidung:

a) Wer will was von wem woraus? Ein Versicherungsunternehmen (VU) ruft private Versicherungsnehmer (VN) an, um ihnen Änderungen, Ergänzungen oder Verlängerungen bestehender Versicherungsverträge anzubieten. Die VN wehren sich gegen diese Anrufe und berufen sich auf § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG, der Telefonwerbung gegenüber Verbrauchern nur mit deren vorheriger Einwilligung erlaubt.

b) Was hat das Gericht entschieden? Das OLG Frankfurt hat entschieden, dass das VU mit den Anrufen gegen § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG verstößt. Die bloße Angabe der Telefonnummer durch den VN bei Vertragsabschluss stellt keine konkludente Einwilligung für solche Werbeanrufe dar. Die Anrufe sind daher unzulässig.

c) Wie hat das Gericht seine Entscheidung begründet?

  • Einwilligungserfordernis: Telefonwerbung gegenüber Verbrauchern ist nur mit deren vorheriger ausdrücklicher oder konkludenter Einwilligung zulässig (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG). Eine mutmaßliche Einwilligung reicht nicht aus.
  • Keine konkludente Einwilligung durch Telefonnummernangabe: Die Mitteilung der Telefonnummer bei Vertragsabschluss ohne weitere Erläuterungen gilt nur als Einwilligung für Anrufe im Rahmen des bestehenden Vertragsverhältnisses (z. B. Schadensabwicklung oder Prämienzahlungserinnerungen), nicht jedoch für Werbeanrufe zur Vertragserweiterung oder -änderung.
  • Keine Verschärfung des Rechts: Der Gesetzgeber hat mit § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG keine strengeren Anforderungen als zuvor (§ 1 UWG a.F.) schaffen wollen. Die bisherige Rechtsprechung (z. B. BGH, Telefonwerbung V) bleibt damit gültig.
  • Keine Ausnahme für Eilfälle: Selbst wenn eine besondere Eilbedürftigkeit für die Vertragserweiterung besteht, rechtfertigt dies keine Telefonwerbung ohne Einwilligung.
  • Begehungsgefahr: Da das VU in der Korrespondenz und im Verfahren klar zum Ausdruck brachte, solche Anrufe auch in Zukunft durchführen zu wollen, besteht eine wiederholte Zuwiderhandlungsgefahr.

Rechtsfolge: Der Verstoß gegen § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG überschreitet die Bagatellgrenze des § 3 UWG und ist damit abmahnfähig.

ENTSCHEIDUNGSNAME
SparkassenVersicherung 1
STICHWORT
Telefonwerbung im vorhandenen Kundenstamm
Anruf bei VN
Privatpersonen
Verbraucher
konkludente Einwilligung
NORM
§ 3 UWG
§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG
§ 8 Abs. 3 Nr. 1 UWG
§ 1 UWG a.F.
REDAKTION
Evers
GERICHT
OLG Frankfurt/Main
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
21.07.2005
AKTENZEICHEN
6 U 175/04
ECLI
ECLI:DE:OLGHE:2005:0721.6U175.04.0A
LIEFERUNG
01.10.2005
ÄNDERUNG
20.12.2021