Fazit/Kurzzusammenfassung:
Ein Handelsvertreter (HV) kann vor einem deutschen Gericht einen Arrestbefehl gegen einen im Ausland ansässigen Unternehmer (U) beantragen, auch wenn für die Hauptsache ein ausländisches Gericht (hier: italienisches Gericht in Bari) zuständig ist. Das OLG Düsseldorf bestätigte, dass deutsche Gerichte für Arrestanordnungen zuständig bleiben und dass ein ausländisches Urteil im EU-Raum als gleichwertig mit einem inländischen Urteil anzusehen ist. Als Arrestgrund genügt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Vollstreckung im Ausland erforderlich wird, insbesondere bei finanzieller Verschlechterung des U und unsicherem Inlandsvermögen.
Zusammenfassung der Entscheidung:
a) Wer will was von wem woraus?
- Wer: Ein Handelsvertreter (HV) beantragt einen Arrestbefehl.
- Was: Sicherung eines fälligen Anspruchs auf Provisionszahlung und Spesenvergütung gegen den Unternehmer (U).
- Von wem: Gegen den im Ausland (hier: Italien) ansässigen Unternehmer (U).
- Woraus: Aus dem Vertragsverhältnis zwischen HV und U. Die Hauptsacheklage wäre vor einem italienischen Gericht (Bari) zu verhandeln, da dies nach Art. 2 Abs. 1, 53 EuGVÜ zuständig ist.
b) Was hat das Gericht entschieden?
Das OLG Düsseldorf hat entschieden, dass:
- Deutsche Gerichte auch dann für die Anordnung eines Arrestes zuständig sind, wenn für die Hauptsache ein ausländisches Gericht (hier: Italien) zuständig ist (Art. 24 EuGVÜ, § 919 ZPO).
- Ein Urteil eines Gerichts aus einem EU-Vertragsstaat (hier: Italien) für die Zwecke des § 917 Abs. 2 ZPO einem deutschen Urteil gleichsteht.
- Ein Arrestgrund gegeben ist, wenn wahrscheinlich ist, dass eine Vollstreckung im Ausland erfolgen müsste. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der U finanziell angeschlagen ist (z. B. durch ein Moratorium) und sein Inlandsvermögen unsicher oder kurzfristig fällig ist (hier: Kundenforderungen).
c) Begründung des Gerichts:
- Zuständigkeit für Arrest: Art. 24 EuGVÜ lässt nationale Regeln (hier: § 919 ZPO) unberührt, sodass deutsche Gerichte Arrestanordnungen erlassen können, auch wenn die Hauptsache im Ausland verhandelt wird.
- Gleichstellung ausländischer Urteile: Urteile aus EU-Vertragsstaaten werden nach Art. 26 EuGVÜ ohne besonderes Verfahren anerkannt und sind damit inländischen Urteilen gleichgestellt. Dennoch bleiben die Vertragsstaaten rechtlich „Ausland“ im Sinne des § 917 Abs. 2 ZPO.
- Arrestgrund: Die Vollstreckung im Ausland ist wahrscheinlich, wenn der U finanziell instabil ist und sein Inlandsvermögen (z. B. kurzfristige Forderungen) nicht ausreicht, um die Ansprüche des HV zu sichern. Hier lag ein Moratorium vor, und der Umsatz des U war stark gesunken, sodass die Gefahr bestand, dass der U nur noch gegen Barzahlung liefern würde.