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ERGEBNISVORSCHLÄGE

RG, 28.11.1924 - VI 208/24

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Das Reichgericht (RG) entscheidet, dass ein Bezirks-Handelsvertreter (HV) auch für Geschäfte in seinem Bezirk Provision verlangen kann, die während seiner kriegsbedingten Abwesenheit ohne seine Mitwirkung vom Unternehmer (U) oder für diesen geschlossen wurden – es sei denn, dies widerspräche im Einzelfall Treu und Glauben (§ 157 BGB). Die Begründung liegt im Zweck der Bezirksprovision: Der Erfolg (Geschäftsabschlüsse im Bezirk) ist auch ohne direktes Zutun des HV erreicht. Nicht erfasst werden jedoch Tätigkeiten, die typischerweise dem U zuzuordnen sind (z. B. Werbung durch Offerten, Verhandlungen am Firmensitz oder behördliche Genehmigungen).


Zusammenfassung der Entscheidung:

a) Wer will was von wem woraus? Ein Handelsvertreter (HV), der für einen bestimmten Bezirk bestellt ist, verlangt von seinem Unternehmer (U) Provision für Geschäfte, die während seiner kriegsbedingten Abwesenheit (Kriegsdienst) im Bezirk mit ansässigen Kunden geschlossen wurden – aus dem Bezirksvertretervertrag i. V. m. § 89 HGB 1897 (heute § 87 HGB).

b) Was hat das Gericht entschieden? Das RG bejaht den Provisionsanspruch des HV:

  • Ein Bezirksvertreter hat Anrecht auf Provision für alle Geschäfte im Bezirk, die während seiner Vertragszeit geschlossen werden – auch ohne seine Mitwirkung.
  • Ausnahmen gelten nur, wenn der Anspruch im Einzelfall gegen Treu und Glauben (§ 157 BGB) verstoßen würde (z. B. bei evidenter Unbilligkeit).

c) Begründung des Gerichts:

  • Zweck der Bezirksprovision: Der Vertrag zielt darauf ab, dass der U Geschäfte im Bezirk abschließt. Dieser Erfolg ist auch ohne direktes Handeln des HV erreicht, wenn der U oder Dritte die Geschäfte tätigen.
  • Abgrenzung zu Tätigkeiten des U: Nicht alle Aktivitäten im Bezirk fallen in den Provisionsbereich des HV. Ausgeschlossen sind:
  • Werbemaßnahmen des U (z. B. Versand von Offerten, Mustern).
  • Verhandlungen am Sitz des U durch dessen Angestellte.
  • Behördliche Tätigkeiten (z. B. Einfuhrbewilligungen).
  • Kein Einwand des U: Der U kann sich nicht damit verteidigen, er habe diese (seinen Bereich betreffenden) Tätigkeiten nicht entfaltet – sie sind ohnehin nicht provisionsrelevant.
KI INHALT
Ein Bezirksvertreter kann auch für Geschäfte in seinem Bezirk Provision verlangen, die ohne seine Mitwirkung während seiner Verhinderung abgeschlossen wurden, es sei denn, dies widerspricht Treu und Glauben.
ENTSCHEIDUNGSNAME
STICHWORT
Wesen der Bezirksprovision
Leistungsstörungen beim Bezirksvertretervertrag
HVV
Aufgaben des Bezirksvertreters
geschuldete Leistungen des HV
Einfuhrgenehmigung
allgemeine Produktwerbung
Sonderleistungen
FUNDSTELLE
RGZ 109, 254
JW 25, 612 m. Anm. Wertheimer
NORM
§ 157 BGB
§ 320 BGB
§ 89 HGB 1897
§ 87 Abs. 2 HGB 1953
REDAKTION
Evers
GERICHT
RG
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
28.11.1924
AKTENZEICHEN
VI 208/24
ECLI
LIEFERUNG
Grundwerk
ÄNDERUNG
24.03.2026 12:47:21