Fazit/Kurzzusammenfassung:
Das BAG entscheidet, dass ein mit einem deutschen Handlungsgehilfen oder technischen Angestellten vereinbartes Wettbewerbsverbot auch ohne Karenzentschädigung wirksam sein kann, wenn deutsches Recht anwendbar ist und der ausländische Arbeitgeber eng mit einem deutschen Unternehmen verbunden ist. Das Gericht begründet dies mit berechtigten geschäftlichen Interessen des Arbeitgebers, insbesondere bei Tätigkeiten in Entwicklungsländern.
Zusammenfassung der Entscheidung:
a) Wer will was von wem woraus?
Ein deutscher Handlungsgehilfe/technischer Angestellter (AN) ist von einem ausländischen Arbeitgeber (Tochterfirma eines deutschen Unternehmens) für eine Tätigkeit außerhalb Europas eingestellt. Der Arbeitgeber verlangt die Einhaltung eines Wettbewerbsverbots, obwohl keine Karenzentschädigung vereinbart wurde. Der AN bestreitet die Wirksamkeit des Verbots.
b) Was hat das Gericht entschieden?
Das BAG hält das Wettbewerbsverbot trotz Fehlens einer Karenzentschädigung für wirksam, wenn:
- Deutsches Recht anwendbar ist (hier vereinbart),
- der ausländische Arbeitgeber eng mit einem deutschen Unternehmen verbunden ist (Tochterfirma ≙ Niederlassung),
- das Verbot berechtigten geschäftlichen Interessen dient (z. B. bei Tätigkeit in Entwicklungsländern).
c) Begründung des Gerichts:
- § 75b Satz 1 HGB (Karenzentschädigung) gilt nicht zwingend, wenn der Arbeitgeber wirtschaftlich einem deutschen Unternehmen entspricht.
- Bei Tätigkeiten in Entwicklungsländern ist ein branchenbezogenes Wettbewerbsverbot regelmäßig gerechtfertigt, da der Arbeitgeber schützenswerte Interessen hat.
- Der AN muss konkret darlegen, warum in seinem Fall andere Interessen vorliegen.
Relevanz: Die Entscheidung erleichtert die Durchsetzung von Wettbewerbsverboten in internationalen Arbeitsverhältnissen mit deutschem Bezug, selbst ohne finanzielle Ausgleichsregelung.