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ERGEBNISVORSCHLÄGE

BayObLG, 17.12.1974 - 2 Z 58/74

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Das BayObLG entscheidet, dass die Zwangsvollstreckung einer Auskunftspflicht nach § 132 Abs. 4 Satz 2 AktG nur möglich ist, wenn die Auskunftserteilung ausschließlich vom Willen des Schuldners abhängt. Unmöglichkeit liegt erst vor, wenn dieser trotz ernsthafter Bemühungen (ggf. auch durch Klage gegen Dritte) keine Auskunft erlangen kann.


Zusammenfassung der Entscheidung:

a) Wer will was von wem woraus? Ein Gläubiger (z. B. Aktionär) begehrt von einem Schuldner (z. B. Gesellschaft) die Erteilung einer Auskunft nach § 132 Abs. 4 Satz 2 AktG (Auskunftsrecht im Aktienrecht). Der Schuldner verweigert die Auskunft mit der Begründung, er besitze die notwendigen Unterlagen nicht oder habe kein Recht/Interesse an der Erteilung.

b) Was hat das Gericht entschieden?

  • Zuständigkeit: Für die Zwangsvollstreckung ist das Gericht der freiwilligen Gerichtsbarkeit zuständig (gemäß VO v. 09.03.1966).
  • Zwangsvollstreckung: Die Auskunftserteilung ist eine unvertretbare Handlung (§ 888 ZPO), die nur vollstreckt werden kann, wenn sie ausschließlich vom Willen des Schuldners abhängt.
  • Unmöglichkeit: Eine Unmöglichkeit der Auskunftserteilung liegt nicht vor, wenn der Schuldner sich nicht ernsthaft bemüht hat (z. B. durch Klage gegen Dritte, die die Unterlagen besitzen).

c) Begründung des Gerichts:

  • Abhängigkeit vom Willen: Zwangsvollstreckung nach § 888 ZPO setzt voraus, dass der Schuldner die Handlung allein durch seinen Willen erbringen kann. Hindernisse (z. B. fehlende Unterlagen bei Dritten) müssen unüberwindbar sein.
  • Bemühenspflicht: Der Schuldner muss sich mit gebotener Intensität um die Beschaffung der Auskunft bemühen (z. B. durch Aufforderung an Dritte unter Hinweis auf Schadensersatzansprüche).
  • Klage gegen Dritte: Erst wenn der Dritte die Mitwirkung endgültig verweigert, ist zu prüfen, ob der Schuldner eine Klage gegen den Dritten anstrengen muss.

Rechtsgrundlagen:

  • § 132 Abs. 4 Satz 2 AktG (Auskunftsrecht)
  • § 888 ZPO (Zwangsvollstreckung bei unvertretbaren Handlungen)
  • RGZ-Rechtsprechung (z. B. RGZ 8, 336; 24, 378) zur Unmöglichkeit.
KI INHALT
Zuständigkeit im Zwangsvollstreckungsverfahren nach § 132 Abs. 4 AktG, Unmöglichkeit der Auskunftserteilung, Pflichten des Schuldners zur Mitwirkung, Zwangsvollstreckung nach § 888 ZPO bei unvertretbaren Handlungen.
ENTSCHEIDUNGSNAME
STICHWORT
Vollstreckung eines Anspruchs auf Auskunfterteilung
Unmöglichkeit der Erteilung einer Auskunft
FUNDSTELLE
NJW 75, 740
NORM
§ 132 Abs. 4 Satz 2 AktG
§ 888 ZPO
REDAKTION
Evers
GERICHT
BayObLG
SPRUCHTYP
Beschluss
DATUM
17.12.1974
AKTENZEICHEN
2 Z 58/74
ECLI
LIEFERUNG
01.09.1998
ÄNDERUNG
01.12.2001