Fazit/Kurzzusammenfassung:
Das OLG Hamm entschied, dass ein Versicherungsunternehmen (VU) in Schreiben an maklerbetreute Kunden (VN) seine regionale Filialdirektion und Kundenservice-Rufnummer unter den Überschriften „Es betreut Sie“ und „Ihr zentraler Kundenservice“ angeben darf, ohne gegen das UWG zu verstoßen. Die Angabe ist weder irreführend (§ 5 UWG) noch eine gezielte Behinderung des Versicherungsmaklers (VM) (§ 4 Nr. 10 UWG). Der VM hat daher keinen Unterlassungsanspruch.
Zusammenfassung der Entscheidung:
a) Wer will was von wem woraus?
Ein Versicherungsmakler (VM) verlangt von einem Versicherungsunternehmen (VU) die Unterlassung der Angabe seiner regionalen Filialdirektion und Kundenservice-Rufnummer in Schreiben an gemeinsam betreute Kunden (VN). Der VM stützt sich auf §§ 8 Abs. 1, 3 Nr. 1, 3 Abs. 1, 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 UWG (Irreführung) und § 4 Nr. 10 UWG (gezielte Behinderung).
b) Was hat das Gericht entschieden?
Das OLG Hamm wies die Klage ab:
- Die Angabe der Kontaktdaten des VU ist keine Irreführung nach § 5 UWG.
- Sie stellt keine gezielte Behinderung des VM nach § 4 Nr. 10 UWG dar.
- Der VM hat keinen Unterlassungsanspruch und auch keinen Anspruch auf Erstattung außergerichtlicher Anwaltskosten (§ 12 Abs. 1 Satz 2 UWG).
c) Begründung des Gerichts:
Keine Irreführung (§ 5 UWG):
- Die Formulierungen „Es betreut Sie“ und „Ihr zentraler Kundenservice“ werden von den VN nicht als ausschließliche Zuständigkeit des VU verstanden, sondern als übliche Kontaktdaten.
- Da die Schreiben über den VM als Korrespondenzmakler übermittelt werden, erkennen die VN, dass der VM weiterhin ihr Ansprechpartner bleibt.
- Selbst bei späterem Beratungsbedarf würden VN sich entweder an den VM erinnern oder beim VU nachfragen – eine Irreführung scheidet daher aus.
Keine gezielte Behinderung (§ 4 Nr. 10 UWG):
- Die Angabe der Kontaktdaten dient primär der Förderung des eigenen Wettbewerbs des VU (z. B. für Cross-Selling).
- Ein Abwerben von Kunden ist nur dann unlauter, wenn es mit irreführenden Angaben verbunden ist – hier liegt jedoch keine Irreführung vor.
- Der VM wird nicht unzumutbar in seiner wettbewerblichen Entfaltung behindert.
Kein konkretes Wettbewerbsverhältnis als Hinderungsgrund:
- Zwar besteht ein konkretes Wettbewerbsverhältnis zwischen VU und VM (beide bieten Betreuungsdienstleistungen an), doch reicht dies allein nicht für einen Unterlassungsanspruch aus.
Rechtliche Einordnung:
- Die geschäftliche Handlung (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 UWG) liegt vor, da die Angabe objektiv auf Absatzförderung gerichtet ist.
- Die Korrespondenzpflicht des VM (Übermittlung der Schreiben) verhindert, dass die VN die Angabe als ausschließliche Betreuungszuständigkeit missverstehen.
Ergebnis: Das VU darf die Kontaktdaten in der streitigen Form angeben, ohne gegen Lauterkeitsrecht zu verstoßen.