Fazit/Kurzzusammenfassung:
Das LG Düsseldorf entschied, dass ein Versicherungsmakler (VM) einem Unternehmer (U) unverdient erhaltene Abschlusscourtagen zurückzahlen muss, wenn die zugrundeliegenden Verträge storniert wurden. Eine Verweigerung der Rückzahlung mit der Begründung, der U habe keine Risikomitteilungen übersandt, ist unbegründet, da der VM nicht in die Organisationsstruktur des U eingebunden war. Eine Aufrechnung mit einer Stornoreserve ist erst nach Ablauf der Stornohaftungszeit möglich. Zudem wurde der Zinsanspruch des U teilweise erst ab Zustellung des Mahnbescheids anerkannt, und die vorgerichtlichen Rechtsverfolgungskosten wurden auf einen geringeren Betrag beschränkt.
Zusammenfassung der Entscheidung:
a) Wer will was von wem woraus?
- Kläger (U = Unternehmer): Fordert von dem Beklagten (VM = Versicherungsmakler) die Rückzahlung unverdienter Abschlusscourtagen aus stornierten Verträgen.
- Rechtsgrundlage:
- § 812 Abs. 1 Satz 2 1. Alt. BGB (Bereicherungsrecht) in Verbindung mit einer Vertragsklausel in der Vertriebsvereinbarung, die regelt: „Die Provision teilt das Schicksal der Beitragszahlung. Bei Kündigung, Widerruf oder Rücktritt steht dem U ein Rückzahlungsanspruch zu.“
b) Was hat das Gericht entschieden?
- Rückzahlungsanspruch bejaht:
Der VM muss die Provisionen zurückzahlen, da die Verträge storniert wurden und die Klausel dies vorsieht.
- Kein Einwand der fehlenden Risikomitteilung:
Der VM kann die Rückzahlung nicht mit dem Argument verweigern, der U habe keine Risikomitteilungen übersandt, um eine Nachbearbeitung der Kunden zu ermöglichen.
- Keine Pflicht zur Nachbearbeitung:
Da der VM nicht in die Organisationsstruktur des U eingebunden war (u. a. wegen der großen Anzahl von 23.000 Kooperationspartnern), besteht keine Pflicht des U, dem VM eine Nachbearbeitung zu ermöglichen.
- Keine Aufrechnung mit Stornoreserve:
Der VM kann nicht mit einem Guthaben aus der Stornoreserve aufrechnen, solange die Stornohaftungszeit noch nicht abgelaufen ist.
- Zinsen und Kosten:
- Verzinsung: Teilweise erst ab Zustellung des Mahnbescheids (für 4.519,78 €).
- Rechtsverfolgungskosten: Nur in Höhe eines Gegenstandswerts von 1.740,26 € anerkannt, da dieser Betrag allein im Mahnschreiben genannt war.
c) Begründung des Gerichts:
- Vertragliche Rückzahlungspflicht:
Die Vereinbarung zwischen U und VM sieht explizit vor, dass die Provision bei Stornierung zurückzuzahlen ist.
- Keine Analogie zu § 87a Abs. 3 HGB (Stornohaftung für Handelsvertreter):
Das Gericht lässt offen, ob die Regelung für Handelsvertreter auf Versicherungsmakler übertragbar ist, verneint aber eine Nachbearbeitungspflicht mangels Organisationseinbindung des VM.
- Kriterien für eine Einbindung (die hier nicht vorlagen):
- Laufende Courtagevorschüsse,
- Integration in die Organisationsstruktur,
- Zahlung von Organisationszuschüssen oder Bestandspflegegeld.
- Treu und Glauben (§ 242 BGB):
Eine Ausnahme von der Rückzahlungspflicht wäre nur denkbar, wenn der VM wie ein Handelsvertreter tätig wäre – was hier nicht der Fall ist.
- Stornoreserve:
Diese kann erst nach Ablauf der Stornohaftungszeit geltend gemacht werden.
- Prozessuale Punkte:
- Zinsen: Für nicht im Mahnschreiben genannte Beträge erst ab Mahnbescheid.
- Kosten: Nur für den im Mahnschreiben genannten Betrag, da der Verzug für weitere Forderungen nicht nachgewiesen wurde.
Kernaussage:
Der Versicherungsmakler muss die Provisionen zurückzahlen, da die Verträge storniert wurden und keine besonderen Umstände (wie eine Einbindung in die Organisationsstruktur) vorlagen, die eine Ausnahme rechtfertigen würden.