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ERGEBNISVORSCHLÄGE

OLG Hamm, 18.06.1998 - 17 U 149/97

VERFAHRENSINFORMATIONEN

Vorinstanz LG Dortmund, 17.07.1997; der Senat hat die Revision nicht zugelassen, die Rechtssache habe weder grundsätzliche Bedeutung, noch weiche die Entscheidung von einer Entscheidung des BGH oder des gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe ab; zudem werde die Rechtsfrage in Literatur und Rechtsprechung nicht unterschiedlich beurteilt, und auch die Wahrung der Rechtseinheit oder die Fortbildung des Rechts erforderten keine Entscheidung des BGH

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Das OLG Hamm entschied, dass eine AGB-Klausel zur Datenweitergabe in Versicherungsverträgen inhaltlich wirksam ist, wenn sie den Zweck der Weitergabe hinreichend konkretisiert (§ 4 Abs. 2 BDSG), aber formell unwirksam, wenn sie nicht drucktechnisch hervorgehoben wird. Zudem klärte das Gericht, dass eine Klausel zur schriftlichen Bestätigung von Nebenabreden zulässig ist, da sie keine unangemessene Benachteiligung darstellt. Eine Veröffentlichung der Entscheidung im Bundesanzeiger wurde abgelehnt, da diese für Kunden und Konkurrenten nicht hinreichend sichtbar wäre.


Zusammenfassung der Entscheidung:

a) Wer will was von wem woraus?

  • Kläger (Verbraucherschutzverband oder Konkurrent?) beantragt die Unwirksamkeit von AGB-Klauseln eines Versicherers (Beklagter).
  • Streitgegenstand 1: Klausel zur Einwilligung in die Datenweitergabe an Dritte: "Ich bin damit einverstanden, daß meine Daten zur Erbringung der Versicherungs- und Serviceleistungen an Dritte weitergegeben werden."
    • Rechtsgrundlage: § 9 Abs. 2 Nr. 1 AGBG (jetzt § 307 BGB) i. V. m. § 4 BDSG (Datenschutz).
  • Streitgegenstand 2: Klausel zu Nebenabreden: "Nebenabreden – mündlich oder schriftlich – bedürfen der schriftlichen Bestätigung der Gesellschaft."
    • Rechtsgrundlage: § 9 Abs. 2 Nr. 1 AGBG i. V. m. § 4 AGBG (heute § 305b BGB).

b) Was hat das Gericht entschieden?

  1. Datenweitergabe-Klausel:

    • Inhaltlich zulässig (§ 9 Abs. 2 Nr. 1 AGBG): Die Klausel benennt den Zweck der Weitergabe ("Erbringung von Versicherungs- und Serviceleistungen") hinreichend konkret. Die fehlende Nennung der konkreten Dritten oder Daten ist unschädlich, da sich der Kreis der Empfänger und der Umfang der Daten aus dem Zweck ergibt.
    • Formell unzulässig (§ 4 Abs. 2 BDSG): Die Klausel muss drucktechnisch hervorgehoben sein (z. B. durch Fettdruck oder Unterstreichung). Eine bloße Platzierung neben einer Widerrufsbelehrung genügt nicht, da die Aufmerksamkeit des Kunden nicht gezielt auf die Einwilligung gelenkt wird.
  2. Nebenabreden-Klausel:

    • Zulässig, da sie keine unangemessene Benachteiligung darstellt. Sie beschreibt lediglich den Umfang der Vollmacht der Service-Berater und schränkt diese nicht unangemessen ein. Der Versicherer darf den Umfang der Vertretungsmacht klarstellen, um Rechtscheinshaftung zu vermeiden.
  3. Veröffentlichungsbefugnis:

    • Eine Veröffentlichung im Bundesanzeiger (§ 18 AGBG) wurde abgelehnt, da dieser von Kunden und Konkurrenten kaum beachtet wird. Alternativ sind Veröffentlichungen in Fachzeitschriften sachgerecht.

c) Begründung des Gerichts:

  • Datenweitergabe:
  • Der Zweck der Weitergabe ("Serviceleistungen") ist hinreichend bestimmt, da Kunden bei Abschluss einer Servicekarte mit einer Datenweitergabe an Leistungserbringer rechnen müssen.
  • Die formelle Hervorhebung ist zwingend, da es nicht darauf ankommt, ob Kunden die Klausel tatsächlich lesen, sondern ob sie den gesetzlichen Anforderungen entspricht.
  • Nebenabreden:
  • Die Klausel dient der Transparenz und schützt den Versicherer vor unerwünschten Bindungen durch Service-Berater. Eine Freizeichnung von Organen oder Prokuristen ist nicht von der Klausel umfasst.
  • Veröffentlichung:
  • Der Bundesanzeiger erreicht die Zielgruppe (Kunden/Konkurrenten) nicht effektiv. Andere Medien sind geeignet, um die Entscheidung bekannt zu machen.

Relevante Rechtsgrundlagen:

  • § 4 BDSG (a.F., heute: Art. 6, 7 DSGVO)
  • § 9 AGBG (heute: § 307 BGB)
  • § 4 AGBG (heute: § 305b BGB)
KI INHALT
"OLG Hamm: Einwilligungsklausel in AGB eines Versicherers zur Datenweitergabe ist inhaltlich zulässig, aber ohne Hervorhebung nach § 4 Abs. 2 BDSG unzulässig. Nebenabredenklausel und Vollmachtsbeschränkung für Service-Berater sind wirksam."
ENTSCHEIDUNGSNAME
STICHWORT
Inhaltskontrolle für Formularklauseln in einem Versicherungsvertrag
Zulässigkeit einer formularmäßig vereinbarten Datenübermittlung
Einwilligungsklausel
Formularklausel über die schriftliche Bestätigung von Absprachen
FUNDSTELLE
VuR 98, 348
CI 99, 5 LS
NORM
§ 307 BGB
§ 4 AGBG
§ 9 Abs. 2 AGBG
§ 24 a AGBG
§ 164 BGB
§ 4 BDSG
§ 4 Abs. 2 Satz 2 BDSG
REDAKTION
Evers
GERICHT
OLG Hamm
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
18.06.1998
AKTENZEICHEN
17 U 149/97
ECLI
ECLI:DE:OLGHAM:1998:0618.17U149.97.0A
LIEFERUNG
24.05.2017
ÄNDERUNG
08.02.2021