Fazit/Kurzzusammenfassung:
Der BGH entscheidet, dass ein umfassendes nachvertragliches Wettbewerbsverbot in einem Subunternehmervertrag gegen § 1 GWB (Kartellverbot) und § 138 BGB (Sittenwidrigkeit) verstoßen kann, wenn es über den notwendigen Kundenschutz hinausgeht und nicht durch den Vertragszweck gerechtfertigt ist. Die 7. GWB-Novelle hat die Maßstäbe verschärft: Nicht mehr ein bloßes "anerkanntes Interesse", sondern eine Notwendigkeit zur Erreichung des Vertragszwecks ist erforderlich.
Zusammenfassung der Entscheidung:
a) Wer will was von wem woraus?
- Kläger: Ein Subunternehmer, der sich gegen ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot wehrt, das ihm für die Dauer der Zusammenarbeit und zwei Jahre darüber hinaus verbietet, mit dem Hauptunternehmer oder dessen Mitbewerbern zusammenzuarbeiten.
- Beklagter: Der Hauptunternehmer, der das Wettbewerbsverbot durchsetzen will, um sich vor Konkurrenz durch den Subunternehmer zu schützen.
- Rechtsgrundlage:
- § 1 GWB (Verbot wettbewerbsbeschränkender Vereinbarungen)
- § 138 BGB (Sittenwidrigkeit)
- § 2 GWB (Legalausnahme für bestimmte Wettbewerbsbeschränkungen)
b) Was hat das Gericht entschieden?
Verstoß gegen § 1 GWB:
- Das generelle Wettbewerbsverbot (keine Zusammenarbeit mit Mitbewerbern des Hauptunternehmers) geht über das notwendige Maß hinaus.
- Es ist nicht erforderlich, um den Vertragszweck (arbeitsteilige Montagearbeiten) zu sichern, da:
- Der Subunternehmer nicht zwangsläufig Zugang zu Betriebsgeheimnissen des Hauptunternehmers hat.
- Ein Kundenschutz (z. B. Verbot, direkte Geschäfte mit den Kunden des Hauptunternehmers zu machen) wäre ausreichend gewesen.
- Die 7. GWB-Novelle hat die Anforderungen verschärft: Nicht mehr ein "anerkanntes Interesse", sondern eine Notwendigkeit ist maßgeblich.
Verstoß gegen § 138 BGB (Sittenwidrigkeit):
- Das Wettbewerbsverbot überschreitet in gegenständlicher, räumlicher und zeitlicher Hinsicht das zulässige Maß.
- Es ist nicht geltungserhaltend reduzierbar, da eine Anpassung die gegenständlichen Grenzen (Verbot der Zusammenarbeit mit Mitbewerbern) ändern müsste – nur bei zeitlicher Überschreitung wäre eine Reduktion möglich.
Keine Anwendbarkeit von § 74 HGB:
- Da das Verbot bereits gegen § 138 BGB verstößt, kommt es auf die speziellen Regelungen für Handelsvertreter (§ 74 HGB) nicht an.
c) Begründung des Gerichts:
Änderung durch die 7. GWB-Novelle:
- Vor der Novelle genügte ein "anerkanntes Interesse" für die Zulässigkeit von Wettbewerbsbeschränkungen in Austauschverträgen.
- Seit der Novelle gilt: Vertikale und horizontale Wettbewerbsbeschränkungen werden gleich behandelt (§ 1 GWB n.F.).
- Nun ist eine Notwendigkeit der Beschränkung für den Vertragszweck erforderlich (im Einklang mit EU-Recht, Art. 81 EG/101 AEUV).
Notwendigkeit als Maßstab:
- Ein Wettbewerbsverbot ist nur zulässig, wenn es sachlich, zeitlich, räumlich und gegenständlich begrenzt ist und unmittelbar mit dem Vertragszweck verbunden ist.
- Beispiel: Eine 1-jährige Kundenschutzklausel kann notwendig sein, um zu verhindern, dass der Subunternehmer Kunden des Hauptunternehmers abwirbt.
- Ein generelles Verbot der Zusammenarbeit mit Mitbewerbern ist dagegen unverhältnismäßig, da es den Wettbewerb unnötig einschränkt.
Keine geltungserhaltende Reduktion:
- Eine Anpassung des Verbots auf ein zulässiges Maß ist nur bei zeitlicher Überschreitung möglich (z. B. Reduktion von 2 auf 1 Jahr).
- Bei gegenständlicher Überschreitung (z. B. Verbot aller Mitbewerber statt nur Kundenschutz) ist das Verbot gesamtnichtig.
Berufsausübungsfreiheit (Art. 12 GG):
- Nachvertragliche Wettbewerbsverbote sind nur zulässig, wenn sie zum Schutz vor illoyaler Verwertung erforderlich sind und das notwendige Maß nicht überschreiten.
Kernaussage:
Ein umfassendes nachvertragliches Wettbewerbsverbot in Subunternehmerverträgen ist nur wirksam, wenn es notwendig, verhältnismäßig und auf den Vertragszweck beschränkt ist. Die 7. GWB-Novelle hat die Hürden für die Zulässigkeit solcher Klauseln deutlich erhöht.