Fazit/Kurzzusammenfassung:
Der BGH entscheidet über einen Streit zwischen zwei Immobilienmaklern (Verkäufermakler vs. Käufermakler) im Rahmen eines Gemeinschaftsgeschäfts. Kernpunkt ist die vertragliche Pflicht des Käufermaklers, mit seinem Kunden eine Provision von 3 % (statt tatsächlich vereinbarter 1 %) zu vereinbaren, um die vereinbarte Teilung der Gesamtprovision (50/50) zu ermöglichen. Das Gericht bestätigt, dass der Käufermakler schadensersatzpflichtig ist, wenn er diese Absprache bricht, und stellt klar, dass Verbandsregeln (z. B. RDM/VDM) nur bei ausdrücklicher oder stillschweigender Vereinbarung gelten.
Zusammenfassung der Entscheidung:
a) Wer will was von wem woraus?
- Kläger (Verkäufermakler) verlangt von Beklagtem (Käufermakler) Schadensersatz wegen Vertragsverletzung im Rahmen eines Gemeinschaftsgeschäfts.
- Grundlage: Die Makler hatten vereinbart, dass der Käufermakler mit seinem Kunden eine Provision von 3 % (zzgl. MwSt.) vereinbart, während der Verkäufermakler 1 % vom Verkäufer erhält. Die Gesamtprovision (4 %) sollte hälftig geteilt werden.
- Problem: Der Käufermakler vereinbarte mit seinem Kunden nur 1 % Provision (statt 3 %), wodurch die Teilung der Gesamtprovision scheiterte. Der Verkäufermakler sieht darin eine Pflichtverletzung.
b) Was hat das Gericht entschieden?
Vertragsverletzung des Käufermaklers:
- Der Käufermakler handelte vertragswidrig, indem er die Provision mit dem Käufer ohne Zustimmung des Verkäufermaklers von 3 % auf 1 % reduzierte.
- Dies stellt einen Schaden für den Verkäufermakler dar, wenn dieser andere Kunden gehabt hätte, die die volle Provision gezahlt hätten.
Keine automatische Geltung von Verbandsregeln:
- Die Geschäftsgebräuche der Maklerverbände RDM/VDM gelten nicht automatisch, sondern nur, wenn sie ausdrücklich oder stillschweigend in den Vertrag einbezogen wurden.
- Verbände haben keine Rechtssetzungsgewalt über ihre Mitglieder.
Pflichten des Käufermaklers:
- Er muss Vorsichtsmaßnahmen treffen, um die vereinbarte Provision (3 %) durchzusetzen, z. B.:
- Keine Objektinformationen vor Abschluss des Maklervertrags preisgeben.
- Den Verkäufermakler sofort informieren, wenn der Käufer nur eine geringere Provision zahlen will.
- Unterlässt er dies, haftet er für den entgangenen Gewinn des Verkäufermaklers.
Schadensersatzanspruch:
- Der Verkäufermakler kann Schadensersatz verlangen, wenn er nachweisen kann, dass er bei korrekter Information andere Käufer mit voller Provision gefunden hätte.
- Die Beweislast liegt beim Käufermakler, wenn er bestreitet, dass ein Schaden entstanden ist.
c) Begründung des Gerichts:
- Vertragsauslegung: Die Abreden zwischen Maklern sind einzelfallbezogen auszulegen. Allgemeine Grundsätze lassen sich nicht aufstellen.
- Provisionsvereinbarung: Die Makler hatten eine klare Absprache über die Provision (3 % beim Käufer, 1 % beim Verkäufer, hälftige Teilung). Abweichungen davon sind vertragswidrig.
- Sorgfaltspflicht: Der Käufermakler hätte die Provision vor der Weitergabe von Objektinformationen klären müssen. Durch die vorzeitige Übersendung des Exposés ermöglichte er dem Käufer, die Provision zu drücken.
- Schadensberechnung: Der Schaden des Verkäufermaklers liegt im entgangenen Anteil an der Käuferprovision. Ob dieser tatsächlich entstanden ist, muss das Berufungsgericht nach § 287 ZPO (Schätzung) prüfen.
Relevante Rechtsgrundlagen:
- § 653 Abs. 2 BGB (ortsübliche Provision bei fehlender Vereinbarung – hier nicht anwendbar, da Provision vertraglich festgelegt war).
- § 287 ZPO (Schadensschätzung durch das Gericht).
- § 326 BGB (Verzug mit Ablehnungsandrohung als Voraussetzung für Geldforderung).
- § 154 Abs. 1 BGB (offener Dissens bei Provisionshöhe).