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ERGEBNISVORSCHLÄGE

ArbG Frankfurt/Main, 22.06.1971 - 8 Ca 148/71

VERFAHRENSINFORMATIONEN

n.rkr.; Berufungsurteil LAG Hessen, 15.03.1972; BAG, 20.07.1973

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Das ArbG Frankfurt/Main hat entschieden, dass ein Reisender (Arbeitnehmer) gegen seinen Arbeitgeber einen eigenständigen Anspruch auf Erteilung eines Buchauszugs nach §§ 65, 87c Abs. 2 HGB hat, auch ohne gleichzeitig eine Abrechnung zu verlangen. Eine vertragliche Provisionsverzichtsklausel ist nicht automatisch wirksam, sondern muss im Einzelfall – insbesondere unter Berücksichtigung arbeitsrechtlicher Grundsätze – geprüft werden. Wettbewerbsbedenken des Arbeitgebers rechtfertigen die Verweigerung des Buchauszugs nicht.


Zusammenfassung der Entscheidung:

a) Wer will was von wem woraus? Ein Reisender (Arbeitnehmer, AN) verlangt von seinem Arbeitgeber (AG) die Erteilung eines Buchauszugs nach §§ 65, 87c Abs. 2 HGB. Der AG verweigert dies u.a. mit dem Hinweis auf eine vertragliche Klausel, die Provisionsansprüche nach Vertragsende ausschließt, sowie aus Sorge, der AN könnte die Informationen für die Konkurrenz nutzen.

b) Was hat das Gericht entschieden?

  1. Der Buchauszugsanspruch besteht unabhängig von einer Abrechnung – der AN kann ihn isoliert geltend machen.
  2. Die Provisionsverzichtsklausel im Arbeitsvertrag ist nicht ohne Weiteres wirksam. Ihre Prüfung setzt voraus, dass zunächst geklärt wird, welche Provisionen dem AN zustehen (z.B. durch ein Betragsverfahren im Rahmen einer Stufenklage).
  3. Wettbewerbsbedenken des AG rechtfertigen die Verweigerung des Buchauszugs nicht. Der Schutz des AG wird durch eine vertragliche Schweigepflicht gewährleistet; Verstöße können separat verfolgt werden.

c) Begründung des Gerichts:

  • Buchauszugsanspruch: § 87c Abs. 2 HGB sieht den Buchauszug zwar neben der Abrechnung vor, aber die Teilbarkeit des Anspruchs erlaubt es dem AN, nur den Buchauszug zu verlangen (im Anschluss an OLG Stuttgart).
  • Provisionsverzichtsklausel:
  • Im Handelsvertreterrecht (HVV) sind solche Klauseln zulässig, weil der Handelsvertreter einen Ausgleichsanspruch (§ 89b HGB) hat. Ein Reisender (AN) hat keinen Ausgleichsanspruch (§ 65 HGB), daher muss die Klausel arbeitsrechtlich eigenständig geprüft werden.
  • Die Wirksamkeit hängt von Faktoren wie der Höhe verdienter Provisionen oder Nacharbeiten der Nachfolger ab (unter Bezug auf BAG).
  • Wettbewerbsschutz: § 87c HGB berücksichtigt keine Wettbewerbsinteressen. Der AG kann sich durch vertragliche Schweigepflichten schützen; ein Missbrauch ist gesondert zu ahnden.
KI INHALT
Reisende haben Anspruch auf Buchauszug nach §§ 65, 87c HGB, auch ohne Abrechnung. Provisionsverzichtsklauseln in Arbeitsverträgen sind bedenklich und müssen einzelfallbezogen geprüft werden. Wettbewerbsbedenken des Arbeitgebers rechtfertigen keine Verweigerung des Buchauszugs.
ENTSCHEIDUNGSNAME
STICHWORT
Anspruch des AN auf Buchauszug
angestellter Reisender
Arbeitsvertrag
Ausschluss von Überhangprovisionen und nachvertraglichen Provisionen
Abdingbarkeit der Überhangprovision
FUNDSTELLE
EversOK*
NORM
§ 87 Abs. 1 HGB
§ 87 Abs. 3 HGB
REDAKTION
Evers
GERICHT
ArbG Frankfurt/Main
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
22.06.1971
AKTENZEICHEN
8 Ca 148/71
ECLI
LIEFERUNG
Grundwerk
ÄNDERUNG
06.11.2019