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ERGEBNISVORSCHLÄGE

BGH, 21.12.1989 - IX ZR 66/89 – Krawatten –

VERFAHRENSINFORMATIONEN

Vorinstanz OLG Düsseldorf, 10.02.1989 - 16 U 178/88 -

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Der BGH entscheidet, dass Provisionsforderungen eines Handelsvertreters (HV), die aus vor Konkurseröffnung abgeschlossenen Verträgen stammen, auch dann nur einfache Konkursforderungen bleiben, wenn der Konkursverwalter die Erfüllung der Verträge wählt. Der HV kann sich nicht auf eine Privilegierung als Masseschuld berufen, da sein Provisionsanspruch aus dem HV-Vertrag und nicht aus den vermittelten Verträgen resultiert.


Zusammenfassung der Entscheidung:

a) Wer will was von wem woraus? Ein Handelsvertreter (HV) verlangt von der Konkursmasse eines Unternehmens (U) die Zahlung von Provisionen für Geschäfte, die er vor der Konkurseröffnung vermittelt hat. Der Konkursverwalter hat die Erfüllung dieser Geschäfte nach § 17 KO (heute: § 103 InsO) gewählt. Der HV macht geltend, seine Provisionsforderung sei als Masseschuld (§ 59 Abs. 1 Nr. 2 KO) zu behandeln, da der Konkursverwalter die Verträge erfüllt habe.


b) Was hat das Gericht entschieden? Der BGH bestätigt, dass die Provisionsforderung des HV keine Masseschuld, sondern eine einfache Konkursforderung (§ 3 Abs. 1 KO) ist. Selbst wenn der Konkursverwalter die Erfüllung der vermittelten Verträge wählt, ändert dies nichts an der Einstufung der Provision als Konkursforderung.

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c) Begründung des Gerichts:

  1. Rechtliche Grundlage des Provisionsanspruchs:

    • Der Anspruch des HV auf Provision entsteht aufschiebend bedingt bereits mit Abschluss des vermittelten Vertrags zwischen U und Dritten (§ 87 Abs. 1 HGB).
    • Die Bedingung (Ausführung des Geschäfts durch den U, § 87a Abs. 1 HGB) trat vor der Konkurseröffnung ein, da die Verträge bereits abgeschlossen waren. Die spätere Erfüllung durch den Konkursverwalter ändert nichts an der bereits entstandenen Rechtsposition des HV.
    • Der Provisionsanspruch beruht nicht auf den vermittelten Verträgen, sondern auf dem selbstständigen HV-Vertrag (§§ 84 ff. HGB). Daher kann sich der HV nicht auf § 59 Abs. 1 Nr. 2 KO (Masseschulden bei Erfüllung durch den Verwalter) berufen, da diese Norm nur für Ansprüche aus den unmittelbar vom Verwalter ausgeführten Verträgen gilt.
  2. Keine Privilegierung durch § 17 KO:

    • Die Wahl des Konkursverwalters nach § 17 KO (Erfüllung oder Nichterfüllung von Verträgen) dient ausschließlich dem Interesse der Masse (d. h. aller Gläubiger). Vorteile aus den Geschäften kommen der Masse zugute, während damit verbundene Lasten (wie Provisionszahlungen) als einfache Konkursforderungen abzuwickeln sind.
    • Der Gesetzgeber hat mit § 59 Abs. 1 Nr. 3 lit. c KO nur bestimmte Provisionsforderungen (z. B. sozial schutzwürdiger HV) privilegiert. Eine allgemeine Besserstellung aller HV-Provisionen war nicht beabsichtigt.
  3. Wirtschaftliche Betrachtung:

    • Die Vermittlungstätigkeit des HV hat der Masse keinen neuen Vorteil verschafft, den der Gemeinschuldner nicht bereits vor Konkurseröffnung gehabt hätte. Die Erfüllung durch den Verwalter sichert nur einen bereits bestehenden Vorteil für die Masse.
    • Das Risiko des HV, dass die Provision aufgrund des Konkurses ausfällt, ist Teil der allgemeinen Konkursgefahr für Gläubiger und rechtfertigt keine Sonderbehandlung.
  4. Keine Masseschuld nach § 59 Abs. 1 Nr. 1 KO:

    • Die tatsächliche Auslieferung der Ware durch den Konkursverwalter stellt keine Handlung i. S. v. § 59 Abs. 1 Nr. 1 KO (Handlungen des Verwalters) dar, die eine Masseschuld begründen könnte. Die Ausführung des Geschäfts war bereits vor Konkurseröffnung vertraglich festgelegt.

Relevante Rechtsgrundlagen:

  • § 87 HGB (Entstehung des Provisionsanspruchs)
  • § 87a HGB (Bedingungen für den Anspruch)
  • § 17 KO (heute: § 103 InsO, Erfüllungswahl des Verwalters)
  • § 59 Abs. 1 KO (Masseschulden)
  • § 3 Abs. 1 KO (Konkursgläubiger)
KI INHALT
Provisionsforderungen eines Handelsvertreters aus vor Konkurseröffnung abgeschlossenen Verträgen bleiben einfache Konkursforderungen, auch wenn der Konkursverwalter die Erfüllung wählt. Der Provisionsanspruch entsteht bereits mit Vertragsabschluss und ist nicht von der Erfüllung durch den Konkursverwalter abhängig.
ENTSCHEIDUNGSNAME
Krawatten
STICHWORT
Provisionsforderungen des HV aus Vorderaufträgen in der Textilbranche
Provisionsforderung im Konkurs des U
Fortbestehen des Anspruchs auf Provision bei Beendigung des HVV
Insolvenz des U
Überhangprovision
mehraktiger Entstehungstatbestand der Provision
Bedeutung der Ausführung des Geschäfts für den Anspruch des HV auf Provision
FUNDSTELLE
BB 90, 304
HVR Nr. 684
EWiR § 59 KO 2/90, 393 (Marotzke)
WM 90, 529
MDR 90, 620
LM Nr. 16 zu § 87 HGB
LM Nr. 19 zu § 59 KO
BGHR Unternehmerkonkurs 1 zu § 87 HGB
NORM
§ 59 Abs. 1 Nr. 1 KO
§ 17 KO
§ 87 Abs. 1 HGB
§ 87 a HGB
§ 87 a Abs. 3 Satz 1 HGB
§ 87 a Abs. 2 HGB
§ 87 b Abs. 2 Satz 1 HGB
§ 162 Abs. 1 BGB
REDAKTION
Evers
GERICHT
BGH
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
21.12.1989
AKTENZEICHEN
IX ZR 66/89
ECLI
LIEFERUNG
Grundwerk
ÄNDERUNG
17.07.2026 17:33:40