vorhergehend LG Essen, 26.01.2023 - 43 O 40/19 -; der Senat hat die Revision nicht zugelassen, die Sache habe keine grundsätzliche Bedeutung, eine Befassung des BGH sei auch nicht wegen einer Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung veranlasst, die Anwendung des § 87 a Abs. 3 Satz 2 HGB analog auf die Nichtverlängerung sich verlängernder Dauerschuldverhältnisse erweise sich als letztlich nicht entscheidungserheblich
1. Die Entscheidung ist für die Praxis von Bedeutung, weil sie die Verteilung des Vergütungsrisikos für den Fall der Kündigung der vom VV vermittelten Sachversicherung durch den U betrifft und sie damit auch für sonstige Dauerverträge Relevanz hat, aus denen dem HV Ansprüche auf Folgeprovision für den Fall der Verlängerung in eine weitere Vertragsperiode erwachsen können.
2. Erstmals wird mit dieser Entscheidung festgestellt, dass eine Kompositversicherung von unbestimmter Dauer, die sich in Ermangelung der Kündigung durch den VN oder das VU jeweils um eine Versicherungsperiode verlängert, nicht aus einem, sondern aus mehreren eigenständigen Geschäften besteht (LS 56).
3. Allerdings folgt der Senat in der Entscheidung der herrschenden Ansicht, nach der Provisionsanspruch des Vertreters mit Abschluss des Dauervertrages bedingt entstehe (BGH, 21.10.2009 LS 4 - Telefondienstleistungsverträge -), indem er annimmt, im Falle der Verlängerung desselben folge der Provisionsanspruch aus § 87 Abs. 1 Satz 1, 1. Var. HGB (LS 4), da die Verlängerung auf die Tätigkeit des HV zurückzuführen sei (LS 5). Der Senat übersieht insoweit, dass der Anspruch auf Provision seine Grundlage in § 87 Abs. 3 Satz 2, 2. HS HGB findet.
4. Ungeachtet der vom Senat angenommenen Anspruchsgrundlage verneint der Senat im Ergebnis eine durch § 87 Abs. 1 Satz 1, 1. Var. HGB entstehende Provisionsanwartschaft, indem er feststellt, dass die Nichtverlängerung der Kompositversicherung infolge unternehmerseitiger Kündigung keine Nichtausführung des Geschäfts i.S.d. § 87 a Abs. 3 Satz 1 HGB darstelle (LS 55) und dass sich die Frage einer Nachbearbeitung nicht stelle (LS 57), zumal die Besonderheiten der Nichtverlängerung keinen Raum für eine solche ließen (LS 58), da diese - insoweit weicht der Senat von der herrschenden Auffassung (OLG Frankfurt/Main, 18.12.1984 LS 13 m.w.N.HF) ab - auch bei Kompositversicherungen auf eine Vertragserhaltung ziele (LS 59).
5. Im Ergebnis lehnt der Senat einen Provisionsanspruch bei Nichtverlängerung eines Dauervertrags (LS 70) ebenso ab wie im Falle der Kündigung eines Dauervertrags (LS 71).
6. Ohne ausdrücklich die Frage einer Begründetheit der Klage unter dem Gesichtspunkt etwaiger Sekundäransprüche zu thematisieren, stellt der Senat fest, dass die Entscheidung des Versicherers einen sanierungsbedürftigen Versicherungsvertrag zum Ablauf zu kündigen, von der Entschließungsfreiheit des U gedeckt sei (LS 64), und dass eine erweiterte Nachbearbeitungsobliegenheit sich darin erschöpfe, den VV über die Absicht der Nichtverlängerung zu informieren, um ihm die Möglichkeit zu geben, an dem Zustandekommen einer neuen Versicherung mitzuwirken (LS 73).
7. Die Entscheidung weist in die richtige Richtung. Erstmals löst sie genauer auf, dass Gegenstand des Anspruchs auf Provision nicht allgemein der geschlossene Dauervertrag ist, sondern ein zustande gekommenes Geschäft. Ob die Entscheidung einen Trend setzt, den Begriff des Geschäfts maßgeblich für die Abgrenzung des Vergütungsrisikos fruchtbar zu machen, dürfte im Wesentlichen davon abhängen, ob die Entscheidung einen Diskurs nach sich zieht, der die Bedeutung des Geschäftsbegriffs erkennt. Daran dürften Zweifel bestehen, nachdem der Geschäftsbegriff bereits vor über 20 Jahren zur Diskussion gestellt worden ist und selbst Veröffentlichungen in den Portalen des juristischen Informationsoligopols bisher keine Veranlassung dazu gegeben haben, sich mit der Bedeutung des Geschäftsbegriffs auseinanderzusetzen.
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