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ERGEBNISVORSCHLÄGE

OLG München, 09.06.2005 - 31 Wx 008/05 – Klemmer Assekuranz –

PRAXISHINWEISE

Die Entscheidung betrifft das bei der Firmierung von VM zu beachtende Verbot des § 4 Abs. 1 VAG (§ 6 Abs. 1 VAG 2018). Nach dieser Vorschrift dürfen die Bezeichnung „Versicherung“ sowie eine Bezeichnung, in der dieses Wort enthalten ist, in der Firma, als Zusatz zur Firma, zur Bezeichnung des Geschäftszwecks oder zu Werbezwecken nur VU im Sinne der §§ 1 Abs. 1, 1 a Abs. 1 VAG (§ 1 Abs. 1 und 3 VAG 2018) sowie deren Verbände verwenden, soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist. Versicherungsvermittler dürfen die genannten Bezeichnungen nur führen, wenn sie mit einem die Vermittlereigenschaft klarstellenden Zusatz versehen sind. Dazu genügt es allerdings nicht, lediglich die Gesellschaftsform anzugeben (LG Düsseldorf, 28.11.2019 LS 8 m.w.N. - direkt Assekuranz Service -). Vielmehr ist stets eine Bezeichnung zu wählen, die den Unternehmensgegenstand unmissverständlich klarstellt, wie beispielsweise "Versicherungsvermittlungs-GmbH", "VM-oHG" oder "Versicherungsagentur", damit eine Irreführung von vornherein ausgeschlossen ist (LG Düsseldorf, 28.11.2019 - LS 9 m.w.N. - direkt Assekuranz Service -). Nach Auffassung des Senats soll die Gefahr einer Irreführung selbst dadurch nicht hinreichend sicher ausgeschlossen werden, dass der klarstellende Zusatz mit der geschützten Bezeichnung verbunden wird, er jedoch eine Alleinstellung in der Firmmierung behält (LS 14). Für den Bezeichnungsschutz besteht eine Doppelzuständigkeit der BaFin und der Registergerichte. Die Registergerichte sind dabei mit Durchsetzungsbefugnissen ausgestattet. In Zweifelsfällen entscheidet die BaFin, ob ein Unternehmen eine geschützte Bezeichnungen führen darf (§ 4 Abs. 2 VAG = § 6 Abs. 2 VAG 2018). Die BaFin-Entscheidung hat aber lediglich feststellenden Charakter. Die BaFin kann zudem beim Registergericht ein Löschungsverfahren anregen. Das Registergericht prüft und entscheidet dann, ob ein Rechtsverstoß besteht. Liegt dieser vor, ist die Löschung der Firma zwingend vorzunehmen. Eine bezeichnungsschutzrechtlich fehlerhafte Firmierung stellt ferner immer auch eine unlautere Wettbewerbshandlung i.S. der § 3 a UWG dar (LG Düsseldorf, 28.11.2019 LS 1). Diese kann gemäß § 8 Abs. 3 Nr. 2 HGB von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e.V. ebenso verfolgt werden (LG Düsseldorf, 28.11.2019 LS 1) wie von einem Wettbewerber (§ 8 Abs. 3 Nr. 1 UWG).

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Das OLG München entschied, dass die Firmierung "Klemmer Assekuranz internationale Versicherungsmakler GmbH" gegen § 4 Abs. 1 VAG verstößt, da die Bezeichnung "Assekuranz" ohne klarstellenden Zusatz irreführend ist und den Eindruck erweckt, es handele sich um ein Versicherungsunternehmen (VU). Das Registergericht muss daher von Amts wegen ein Löschungsverfahren einleiten. Die sofortige weitere Beschwerde ist statthaft, und § 4 VAG ist verfassungsgemäß.


Zusammenfassung der Entscheidung:

a) Wer will was von wem woraus?

  • Antragsteller: Die betroffene Gesellschaft (Klemmer Assekuranz internationale Versicherungsmakler GmbH) wehrt sich gegen die Löschung ihrer Firmierung.
  • Antragsgegner: Das Registergericht (Amtsgericht) leitet das Löschungsverfahren ein.
  • Rechtsgrundlage: § 4 Abs. 1 und 3 VAG (Versicherungsaufsichtsgesetz), der die Verwendung von Bezeichnungen wie "Assekuranz" oder "Versicherung" für Nicht-Versicherungsunternehmen verbietet, sofern kein klarstellender Zusatz (z. B. "Versicherungsmakler") hinzugefügt wird.

b) Was hat das Gericht entschieden?

  1. Die Firmierung "Klemmer Assekuranz internationale Versicherungsmakler GmbH" ist unzulässig, weil:
    • Die Bezeichnung "Assekuranz" allein den Eindruck erweckt, es handele sich um ein VU (obwohl die Gesellschaft nur Versicherungsvermittlung betreibt).
    • Selbst in Kombination mit "Versicherungsmakler" ist die Firmierung irreführend, da "Assekuranz" und "Versicherung" inhaltsgleich sind und die Trennung der Geschäftsbereiche unklar bleibt.
  2. Das Registergericht muss das Löschungsverfahren einleiten – es hat kein Ermessen (§ 4 Abs. 3 VAG).
  3. Gegen die Löschungsentscheidung ist die sofortige weitere Beschwerde statthaft (§ 27 FGG).
  4. § 4 VAG verstößt nicht gegen Art. 12 GG (Berufsfreiheit) oder das Rückwirkungsverbot.

c) Begründung des Gerichts:

  1. Verstoß gegen § 4 Abs. 1 VAG:

    • Die Bezeichnung "Assekuranz" ist Versicherungsunternehmen vorbehalten. Versicherungsvermittler dürfen sie nur mit einem Zusatz (z. B. "Makler") verwenden, der ihre Tätigkeit klarstellt.
    • Die Firmierung ist irreführend, da sie den Anschein erweckt, die Gesellschaft betreibe selbst Versicherungsgeschäfte (vgl. auch § 18 Abs. 2 HGB).
    • Selbst im Internetauftritt (wo nur "Klemmer Assekuranz" hervorgehoben wird) liegt ein Verstoß vor.
  2. Zwingendes Löschungsverfahren:

    • § 4 Abs. 3 VAG sieht kein Ermessen für das Registergericht vor – bei Feststellung eines Verstoßes muss die Löschung erfolgen (im Gegensatz zu § 142 FGG, der Ermessen einräumt).
  3. Rechtsmittel:

    • Die Verweisung in § 4 Abs. 3 VAG auf das FGG öffnet das Rechtsmittelsystem der freiwilligen Gerichtsbarkeit, insbesondere die sofortige weitere Beschwerde (§ 27, § 29 FGG).
  4. Verfassungsmäßigkeit von § 4 VAG:

    • Kein Eingriff in Art. 12 GG (Berufsfreiheit):
    • Die Vorschrift regelt nur die Firmenbezeichnung, nicht die Gewerbeausübung selbst. Die Gesellschaft darf weiterhin als Versicherungsmakler tätig sein.
    • Der Bezeichnungsschutz dient dem Gemeinwohl (Schutz des Vertrauens der Öffentlichkeit in beaufsichtigte Versicherer).
    • Keine unzulässige Rückwirkung:
    • § 4 VAG greift nicht in abgeschlossene Sachverhalte ein, sondern wirkt nur für die Zukunft. Ein Vertrauensschutz auf Beibehaltung einer von Anfang an unzulässigen Firma besteht nicht.
  5. Verfahrensfragen:

    • Die Industrie- und Handelskammer muss nicht zwingend beteiligt werden, da die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) als sachkundige Behörde fungiert.
    • Der Geschäftswert für das Beschwerdeverfahren beträgt im Regelfall einen Bruchteil des Unternehmenswerts (hier: 10.000 €).

Kernaussage: Die Nutzung der Bezeichnung "Assekuranz" ohne klarstellenden Zusatz durch einen Versicherungsmakler ist irreführend und damit unzulässig. Das Registergericht muss die Löschung anordnen, und gegen diese Entscheidung ist die sofortige weitere Beschwerde möglich. Die Regelung ist verfassungsgemäß.

ENTSCHEIDUNGSNAME
Klemmer Assekuranz
STICHWORT
Löschung einer VM-GmbH wegen unzulässiger Bezeichnung
Firmenzusatz Assekuranz
Löschungsverfahren von Amts wegen
Verfassungsmäßigkeit der Löschungsvorschrift
Geschäftswert des Löschungsverfahrens
NORM
§ 6 Abs. 1 VAG
§ 6 Abs. 4 VAG
§ 4 Abs. 1 VAG 2000
§ 4 Abs. 3 VAG 2000
Art. 12 GG
§ 141 FGG
§ 142 FGG
REDAKTION
Evers
GERICHT
OLG München
SPRUCHTYP
Beschluss
DATUM
09.06.2005
AKTENZEICHEN
31 Wx 008/05
31 Wx 8/05
ECLI
ECLI:DE:OLGMUEN:2005:0609.31WX008.05.0A
LIEFERUNG
01.12.2010
ÄNDERUNG
30.07.2020