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ERGEBNISVORSCHLÄGE

LG Düsseldorf, 28.11.2019 - 37 O 26/19 – direkt Assekuranz Service –

VERFAHRENSINFORMATIONEN

nachfolgend OLG Düsseldorf, 23.03.2020 - I-20 U 153/19 -

22.04.2020 - I-20 U 153/19 -

PRAXISHINWEISE

Die Entscheidung hat für die in der Praxis verbreitete (vgl. OLG München, 09.06.2005 LS 25 - Klemmer Assekuranz -) Praxis der Verwendung des Bestandteils Assekuranz und Assekuranzservice in der Firmierung eines Versicherungsvermittlers erhebliche Bedeutung. Zwar setzt sie lediglich die zu § 4 Abs. 1 Satz 1 VAG 2000 bestehende Spruchpraxis (OLG München, 09.06.2005 LS 13 - Klemmer Assekuranz -) fort, nach der die Firmierung eines Versicherungsvermittlers mit dem Begriff Assekuranz wegen Verstoßes gegen die mit der früheren Fassung wortgleiche Bestimmung des § 6 Abs. 1 VAG der aktuell geltenden Fassung gesetzlich verboten ist (LS 2). Der Bezeichnungsschutz fristete aber dennoch bisher ein eher stiefmütterliches Dasein, weil er nur gelegentlich im registergerichtlichen Verfahren zum Tragen gekommen ist. Nicht anders ist es jedenfalls zu erklären, dass sich mittels einfacher Google-Recherche aufzeigen lässt, dass sich die Bestandteile Assekuranz und Assekuranzservice in der Firmierung von Vermittlerbetrieben noch immer großer Beliebtheit erfreuen. Prominentestes Beispiel hierfür ist die Firma 1:1 Assekurranzservice AG. Mit der sorglosen Verwendung der Bezeichnungen als Firmenbestandteil dürfte es ein Ende haben. Denn mit dieser Entscheidung liegt erstmals ein Urteil vor, nach dem Wettbewerbern und Verbänden lauterkeitsrechtliche Unterlassungsansprüche (§§ 8 Abs. 1, Abs. 3 Nr. 2, 3 a UWG) wegen einer solchen Firmierung zustehen (LS 1). Dabei geht die Kammer mit Rücksicht auf den von der Norm des § 6 Abs. 1 VAG bezweckten Verbraucherschutz (LS 7) gegen irreführende Bezeichnungen (LS 6) zutreffend stillschweigend und insoweit übereinstimmend mit der Ansicht der BaFin (Merkblatt vom 07.09.2010 i.d.F. v. 12.04.2014 - Bezeichnungsschutz - sub I.) davon aus, dass die Vorschrift des § 6 Abs. 1 VAG eine Marktverhaltensregelung i.S. des § 3 a UWG darstellt.

Außerdem stellt die Entscheidung klar, dass Wettbewerbern und Verbänden Unterlassungsansprüche gegen die fehlerhafte Bezeichnung der BaFin als Aufsichtsbehörde im Impressum der Website eines Versicherungvermittlers zustehen (LS 10). Das OLG Düsseldorf hat die Berufung des Versicherungsvermittlers zurückgewiesen (OLG Düsseldorf, 23.04.2020 - I-20 U 153/19 -).

LEITSÄTZE

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Fazit/Kurzzusammenfassung: Das LG Düsseldorf hat entschieden, dass ein Versicherungsvermittler den Firmenbestandteil „Assekuranz Service GmbH“ nicht verwenden darf, da dies gegen § 6 Abs. 1 VAG verstößt. Zudem darf er im Impressum seiner Website nicht die BaFin als Aufsichtsbehörde angeben, da diese für Versicherungsvermittler nicht zuständig ist.


a) Wer will was von wem woraus? Die Wettbewerbszentrale (Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs Frankfurt am Main e.V.) klagt gegen einen Versicherungsvermittler (hier: „direkt Assekuranz Service GmbH“) und verlangt:

  1. Die Unterlassung der Firmierung „Assekuranz Service GmbH“ (§§ 8 Abs. 1, 3 Nr. 2, 3a UWG i. V. m. § 6 Abs. 1 VAG).
  2. Die Entfernung der BaFin-Angabe aus dem Impressum der Website (§§ 8 Abs. 1, 3 Nr. 2, 3a UWG i. V. m. § 5 Abs. 1 Nr. 3 TMG).

b) Was hat das Gericht entschieden?

  1. Die Firmierung „Assekuranz Service GmbH“ ist unzulässig, da der Begriff „Assekuranz“ nach § 6 Abs. 1 VAG ausschließlich Versicherungsunternehmen (VU) vorbehalten ist. Versicherungsvermittler dürfen solche Begriffe nur mit einem klarstellenden Zusatz (z. B. „Versicherungsvermittlungs-GmbH“) verwenden.
  2. Die Angabe der BaFin im Impressum ist unzulässig, da die BaFin nicht für Versicherungsvermittler, sondern nur für Versicherungsunternehmen zuständig ist. Die zuständige Aufsichtsbehörde muss korrekt angegeben werden, um Verbrauchern eine effektive Beschwerdemöglichkeit zu bieten.

c) Begründung des Gerichts:

  1. Zu § 6 Abs. 1 VAG:

    • Die Vorschrift schützt vor Irreführung im sensiblen Finanzdienstleistungsbereich.
    • Begriffe wie „Assekuranz“ suggerieren Verbrauchern fälschlich, es handele sich um einen Versicherer (nicht um einen Vermittler).
    • Ein bloßer Hinweis auf die Rechtsform (z. B. „GmbH“) reicht nicht aus, um die Irreführung zu vermeiden. Erforderlich ist ein expliziter Zusatz, der die Vermittlertätigkeit klarstellt.
  2. Zu § 5 Abs. 1 Nr. 3 TMG:

    • Das Impressum muss die tatsächlich zuständige Aufsichtsbehörde nennen (bei Versicherungsvermittlern z. B. die IHK oder regionale Gewerbeaufsichtsämter).
    • Die Angabe der BaFin ist falsch, da sie keine Aufsicht über Vermittler ausübt. Dies würde Verbraucher in die Irre führen, da sie keine wirksame Beschwerdemöglichkeit hätten.

Rechtliche Grundlage:

  • § 6 Abs. 1 VAG (Bezeichnungsschutz für Versicherungsbegriffe),
  • §§ 8 Abs. 1, 3 Nr. 2, 3a UWG (Anspruch auf Unterlassung unlauteren Wettbewerbs),
  • § 5 Abs. 1 Nr. 3 TMG (Pflicht zur korrekten Angabe der Aufsichtsbehörde im Impressum).
ENTSCHEIDUNGSNAME
direkt Assekuranz Service
STICHWORT
Verwendung unzulässige Firmierung durch Versicherungsvermittler
FUNDSTELLE
VM 3/20, 46 (Evers)
NORM
§ 6 Abs. 1 VAG
§ 8 Abs. 1 UWG
§ 8 Abs. 3 Nr. 2 UWG
§ 3 a UWG
§ 5 Abs. 1 Nr. 3 TMG
REDAKTION
Evers
GERICHT
LG Düsseldorf
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
28.11.2019
AKTENZEICHEN
37 O 26/19
ECLI
ECLI:DE:LGD:2019:1128.37O26.19.0A
LIEFERUNG
23.01.2020
ÄNDERUNG
30.07.2020