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ERGEBNISVORSCHLÄGE

OLG Düsseldorf, 13.07.2018 - I-4 U 47/17 – Unit –

VERFAHRENSINFORMATIONEN

Vorinstanz LG Duisburg, 10.02.2017 - 6 O 418/15 -; der Senat hat die Revision nicht zugelassen, die Voraussetzungen des § 543 Abs. 2 ZPO lägen nicht vor; weder habe die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung noch erfordere die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts

PRAXISHINWEISE

Mit der Entscheidung stellt der Spezialsenat für Versicherungssachen klar, dass ein VM einen Schaden, der noch während der Laufzeit einer Vorversicherung begründet worden ist, auch dann fristwahrend gegenüber dem Vorversicherer anmelden muss, wenn er den Versicherungsvertrag mit diesem nicht vermittelt, sondern das Risiko erst anschließend bei einem anderen Versicherer eingedeckt hat. Diese Wertung wird neben der Sachwalterstellung (LS 8) auf zwei weitere Gründe gestützt. Dies sind zum einen der Aspekt, dass der laufende Versicherungsvertrag eine erweiterte Maklerklausel enthalten hat (LS 9, 10, 11) und zum anderen der Umstand, dass der VM - im Streitfall ein u.a. auf die Eindeckung und Betreuung der Berufshaftpflichtrisiken von Architekten spezialisierter VM - damit geworben hat, den VN mit seinem Schadensmanagement-Team zu unterstützen (LS 12). Die Verwendung von Maklerklauseln erweitert danach den Pflichtenkreis des VM ebenso wie die Werbung des VM mit Leistungen der Schadenabwicklung.

LEITSÄTZE

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Fazit / Kurzzusammenfassung

Das OLG Düsseldorf entschied, dass ein Versicherungsmakler (VM) bei einer Schadensmeldung prüfen muss, ob ein Vorversicherer eintrittspflichtig ist – selbst wenn dieser nicht vom Makler vermittelt wurde. Unterlässt der Makler die unverzügliche Weiterleitung der Schadensmeldung an den Vorversicherer oder weisst er den Versicherungsnehmer (VN) nicht darauf hin, haftet er für den daraus entstehenden Schaden (z. B. Verlust des Versicherungsschutzes).


Zusammenfassung der Entscheidung

a) Wer will was von wem woraus?

  • VN (Versicherungsnehmer, hier ein Architekt) verlangt von seinem VM (Versicherungsmakler) Schadensersatz.
  • Grundlage: Pflichtverletzung aus dem Versicherungsmaklervertrag (VMV).
  • Der VN meldete einen Schaden (Berufshaftpflichtfall) an den VM, der die Meldung nur an den aktuellen Versicherer weiterleitete.
  • Der Schaden fiel jedoch zeitlich in die Laufzeit einer Vorversicherung, die der VM nicht unverzüglich informierte.
  • Dadurch verpasste der VN die Frist zur Schadensanzeige beim Vorversicherer und verlor seinen Deckungsanspruch.

b) Was hat das Gericht entschieden?

  • Der VM hat seine Betreuungspflichten aus dem VMV verletzt, weil er:
  • Die Schadensmeldung nicht unverzüglich an den Vorversicherer weiterleitete.
  • Den VN nicht darauf hinwies, dass eine Meldung an den Vorversicherer erforderlich sein könnte.
  • Der VM haftet für den entstandenen Schaden (hier: 2.300 € zzgl. Prozesskosten), da sein Verhalten kausal für den Verlust des Versicherungsschutzes war.
  • Ein Mitverschulden des VN scheidet aus, da dieser sich auf die Fachkunde des VM verlassen durfte.

c) Begründung des Gerichts

  1. Umfangreiche Pflichten des VM:

    • Der VM ist als treuhänderähnlicher Sachwalter des VN anzusehen (BGH-Rechtsprechung).
    • Er muss den VN bei der Schadensabwicklung unterstützen, insbesondere:
    • Schadensmeldungen unverzüglich an den zuständigen Versicherer weiterleiten.
    • Prüfen, ob ein Vorversicherer eintrittspflichtig ist (auch wenn dieser nicht vom VM vermittelt wurde).
    • Den VN auf Formalien (z. B. Anzeigefristen) hinweisen, wenn dieser sonst seinen Versicherungsschutz verlieren könnte.
  2. Erkennbarkeit der Vorversicherer-Pflicht:

    • Aus der Schadensanzeige ging hervor, dass die Schlussabnahme noch in die Laufzeit der Vorversicherung fiel.
    • Der VM hätte daher vorsorglich den Vorversicherer informieren oder den VN anweisen müssen, dies selbst zu tun.
  3. Zurechnung des Maklerverhaltens:

    • Das Verhalten des VM wird dem VN gem. § 278 BGB zugerechnet, da der VM als Erfüllungsgehilfe des VN im Verhältnis zum Versicherer handelte.
  4. Kein Mitverschulden des VN:

    • Der VN durfte sich auf die Fachkunde des VM verlassen, insbesondere wenn dieser mit einem Schadensmanagement-Team warb.
    • Selbst wenn der VN die Vorversicherung kannte, war es nicht unzumutbar, sich auf die vollständige Abwicklung durch den VM zu verlassen.
  5. Schadensberechnung:

    • Ersatzfähig sind:
    • Der tatsächliche Schaden (hier: 6.000 € Schadensersatzforderung ./. 3.200 € Vergleich ./. 500 € Selbstbeteiligung = 2.300 €).
    • Prozesskosten des VN gegen den Vorversicherer, die ohne die Pflichtverletzung des VM nicht entstanden wären.

Kernaussage

Ein Versicherungsmakler muss bei Schadensmeldungen proaktiv prüfen, ob ein Vorversicherer zuständig ist, und den VN entsprechend beraten. Unterlässt er dies, haftet er für den daraus resultierenden Schaden – selbst wenn die Vorversicherung nicht von ihm vermittelt wurde.

ENTSCHEIDUNGSNAME
Unit
STICHWORT
Haftung des VM
Allrisk-Police
Allgefahren-Deckung
Multi-Risk-Versicherung
Architektenhaftpflicht
Berufshaftpflichtversicherung für Architekten
Deckungszusage
Haftpflichtversicherung
Schadensanzeige
Schadensersatz
NORM
§ 280 BGB
§ 280 Abs. 1 BGB
REDAKTION
Evers
GERICHT
OLG Düsseldorf
SPRUCHTYP
Urteil
DATUM
13.07.2018
AKTENZEICHEN
I-4 U 47/17
4 U 47/17
ECLI
ECLI:DE:OLGD:2018:0713.4U47.17.00
LIEFERUNG
15.02.2019
ÄNDERUNG
03.09.2026 17:28:49