n.rkr.; nachfolgend OLG Hamburg, 12.12.2022 - 11 U 95/21 -; 20.08.2022 - 11 U 95/21 -; 11.06.2021 - 11 U 95/21 -
1. Die Entscheidung ist in drei Punkten für die Praxis bedeutsam.
1.1 Erstmals wird entschieden, dass eine bestimmte Darstellungsweise des Buchauszugs - im Streitfall die Verwendung einer schwarzen Schrift auf hell- und dunkelgrauem Grund in einem Buchauszug unzumutbar ist (LS 38). Da die Vorschrift des § 87 c Abs. 2 HGB keine bestimmte Form vorschreibt (OLG Köln, 02.07.2010 LS 8 m.w.N. - Energielieferverträge -) war bisher davon auszugehen, dass es in die Dispositionsfreiheit des U gestellt ist, welche Darstellungsform er wählt (BGH, 20.01.2011 LS 11 m.w.N.; 21.03.2001 LS 3 m.w.N. - Axa Colonia 1 -). Der im Streitfall vom U gewählte Schriftkontrast grenzt die einzelnen Zeilen voneinander ab, was zur Form der Darstellung des Buchauszugs gehört. Setzt sich Auffassung der Kammer durch, wäre der U allgemein in der Formwahl nicht mehr frei, soweit sie den Schriftkontrast betrifft. Bisher war eine Unzumutbarkeit allenfalls im Einzelfall unter dem Aspekt der Verletzung des Rücksichtnahmegebots zu beanstanden (vgl. dazu Anm. 11.2.1 a.E. zu BGH, 20.01.2011)
1.2 Für die Praxis ist weiter bedeutsam, dass die Kammer in der Bucheinsicht einen verhaltensgebundenen Anspruch sieht, der mit der Geltendmachung entsteht (LS 41) und der nicht mehr dadurch beseitigt wird, dass der U einen weiteren Buchauszug legt (LS 46). Dadurch werde der U nicht von der Gewährung der Bucheinsicht frei (LS 44). Den Tatbestandsvoraussetzungen der Unvollständigkeit und Fehlerhaftigkeit des Buchauszugs sei durch eine entsprechende Tenorierung Rechnung zu tragen, nach der die Bucheinsicht nur gewähren wird, soweit dies zur Feststellung der Richtigkeit und Vollständigkeit der vom U gelegten Buchauszüge erforderlich ist (LS 47).
2. Buchauszug und Bucheinsicht beziehen sich nur auf das, was in den Büchern des U steht, nicht, was dort hätte stehen müssen oder möglicherweise von Dritten zu beschaffen wäre (LS 52). Dies ist insbesondere für VM von Bedeutung, die auf Buchauszug oder Bucheinsicht in Anspruch genommen werden und denen z.B. Informationen zu Stornogefahrmitteilungen abverlangt werden, die sie selbst vom VU nicht erhalten haben.
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