Vorinstanz LG Münster, 15.01.2021 - 23 O 77/19 -; der Senat hat die Revision nicht zugelassen, es bestünde keine Veranlassung zur Zulassung der Revision, die Sache habe keine grundsätzliche Bedeutung und die Befassung des BGH sei auch nicht zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erforderlich
1. Für die Praxis ist die Entscheidung in drei Punkten bedeutsam.
1.1 Die Entscheidung behandelt die bisher nicht erörterte Frage, inwieweit das Kontrollrecht des HV auf Erteilung einer Provisionsabrechnung die Dispositionsfreiheit des U beschränkt. Konkret wirft der Senat die von ihm verneinte Frage auf, ob der HV nach § 87 Abs. 1 HGB verlangen kann, dass der U provisionspflichtigen Geschäfte mit einem bestimmten Provisionssatz abrechnet (LS 1, 5, 7, 8).
1.2 Überdies sieht die Entscheidung eine Regelung in AGB als wirksam an, nach der dem HV Provision für vermittelte und abgeschlossene Geschäfte zusteht (LS 34).
1.3 Schließlich schreibt die Entscheidung die Spruchpraxis, nach der in den Buchauszug auch Geschäfte aufzunehmen sind, über deren Provisionspflicht Zweifel bestehen (vgl. OLG Frankfurt/Main, 16.03.1993 LS 7 m.w.N.), dahingehend fort, dass dies auch dann gilt, wenn es nicht aus tatsächlichen Gründen, sondern aus Rechtsgründen zweifelhaft erscheint, ob das Geschäft provisionspflichtig ist (LS 40).
2. Für die Praxis erscheint eine zurückhaltende Anwendung der Grundsätze der Entscheidung als sachgerecht.
2.1 Es ist unklar, ob sich die Ansicht des Senats durchzusetzen vermag, im Rahmen einer Abrechnungsklage sei auf der Auskunftsstufe noch nicht zu entscheiden, ob dem HV ein bestimmter Provisionssatz zustehe (LS 7). Diese Auffassung steht nicht nur in einem gewissen Spannungsverhältnis zu dem Grundsatz, dass die Dispositionsfreiheit des U ihre Grenze in den Rechten findet, die dem HV vertraglich eingeräumt sind (Anm. 8.2), sondern sie lässt auch besorgen, dass das zwingende Schutzrecht auf Erteilung einer Provisionsabrechnung ausgehöhlt werden könnte (Anm. 8.3).
2.2 Die Kautelarpraxis sollte nicht darauf setzen, dass eine Beschränkung des Provisionsanspruchs nach der Entscheidung entgegen dem Wortlaut der AGB dann nicht anzunehmen ist, wenn die Auslegung einer Klausel zu einem anderen Ergebnis führt. Da unzulässige Beurteilungsspielräume im Provisionspunkt mit dem Transparenzgebot kollidieren, sollte auf eine eindeutige Ausgestaltung von Provisionsregelungen geachtet werden. Zwar entspricht es durchaus der Spruchpraxis, einen Buchauszug zuzusprechen für Geschäfte, deren Provisionspflicht aus Rechtsgründen zweifelhaft erscheint (OLG Köln, 21.08.2020 LS 4 - OVB 34 -; OLG Bamberg, 16.05.2003 LS 14). Dies lässt sich aber weder mit Sinn und Zweck des Kontrollrechts auf Buchauszug rechtfertigen (Anm. 40.2), noch ist ersichtlich, wie die Verarbeitung der personenbezogenen Daten im Buchauszug zu rechtfertigen sein soll, wenn die Rechtsfrage offen bleibt, ob der HV überhaupt Provision beanspruchen kann und das Kontrollrecht nach § 87 c Abs. 2 HGB zu ihrer Aufklärung nicht notwendig ist (Anm. 32.2, Anm. 40.5).
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