rkr.; nach Rücknahme der Berufung; vorhergehend LG Köln, 18.08.2023 - 89 O 11/22 -
1. Die Entscheidung hat in zweierlei Hinsicht Bedeutung für die Praxis.
1.1 In Fortschreibung der bisherigen Rspr. anderer Spruchkörper qualifiziert der Senat die Verrechnung von Rückprovisionen in den vom U erstellten Provisionsabrechnungen als Aufrechnung i.S.v. §§ 387 ff. BGB (LS 1 m.w.N.(HF)).
1.2 Des weiteren stellt die Entscheidung die Anforderungen klar, dass die Einstellung von Informationen in das Außendienst-Informationssystem des U eine ausreichende Stornogefahrmitteilung darstellt, wenn der U dem VV damit einen übersichtlichen Überblick über die notleidenden Geschäfte verschafft, offene Stornogefahrmitteilungen täglich in das System eingespielt werden und diese für den VV ohne nennenswerte Zwischenschritte erkennbar und ohne besonderen Aufwand aufrufbar sind, so der VV von der drohenden Stornierung Kenntnis nehmen kann und er die Informationen erhält, die er aus objektiver Sicht für eine sachgerechte und erfolgreiche Nachbearbeitung benötigt (LS 35).
2. Für die Praxis ergibt sich folgendes aus den beiden bedeutenden Aspekten der Entscheidung.
2.1 Die Verrechnung von Provision und Rückprovision in der Provisionsabrechnung des U gemäß § 87 c Abs. 1 HGB erfüllt nur dann die tatbestandsmäßigen Voraussetzungen einer Aufrechnung, wenn die Provisionsabrechnung dem VV zugeht (RG, 16.05.1941 LS 5). Denn bei der Aufrechnung handelt es sich um eine einseitige empfangsbedürftige Willenserklärung mit Gestaltungswirkung (LAG Nürnberg, 14.11.2013 LS 80 m.w.N.(HF)).
2.2 Erklärt der U mit seiner Provisionsabrechnung, in der der Verrechnungen vornimmt, die Aufrechnung mit ihm angeblich zustehenden Forderungen, so macht der HV keine Ansprüche aus ungerechtfertigter Bereicherung geltend, wenn er die Zahlung der zu Unrecht vom U verrechneter Forderungen verlangt, sondern seinen Anspruch auf Provision. Dies wird vielfach verkannt, wenn der U Entgelte mit der Provision verrechnet, die der U geht, die der U entgegen § 86 a Abs. 3 HGB zu Unrecht für die Überlassung notwendiger Unterlagen i.S.d. § 86 a Abs. 1 HGB verlangt (vgl. dazu z.B. Anm. 1.2 zu OLG Hamburg, 28.10.2014 - JET 5 -; Anm. 69.1 f. zu OLG Celle, 10.12.2009 - AWD 62 -; Anm. 26.2 zu BGH, 04.05.2011 - AWD 62 -).
2.3 U, die ihre VV über ein Außendienst-Informationssystem mit Stornogefahrmitteilungen über notleidende Geschäfte informieren, finden mit dieser Entscheidungen eine verlässliche Orientieren, welchen Anforderungen das System und die darin eingestellten Informationen genügen müssen.
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