In folgenden sechs Punkten kann die Entscheidung für die Praxis bedeutsam sein.
Erstmals bemüht die Entscheidung die Äquivalenztheorie zur Prüfung der Frage der Mitursächlichkeit des HV für den Geschäftsabschluss (LS 10).
Der Senat verneint die nach § 87 Abs. 1 Satz 1, 1. Var. HGB erforderliche Mitursächlichkeit des unechten Untervertreters für den Fall, dass der unechte Hauptvertreter den U Geschäftsanträge ohne Wissen des unechten Untervertreters über das Agenturkonto des unechten Untervertreters zuleitet (LS 12).
Erstmals nimmt ein Obergericht den Standpunkt ein, dass der vom HV mit der Antragseinreichung verfolgte Zweck darüber entscheidet, ob seine Tätigkeit i.S.d. § 87 Abs. 1 Satz 1, 1. Var. HGB mitursächlich ist für den Geschäftsabschluss (LS 13).
Nach der Entscheidung soll der U allgemein zur Rückforderung von Provisionsvorschüssen wegen fingierter Verträge nur nach den Grundsätzen einer Leistungskondiktion (§ 812 Abs. 1 Satz 1, 1. Var. BGB) berechtigt sein (LS 19).
Erstmals wird obergerichtlich ein Anspruch auf Provision des HV nach Maßgabe des § 87 Abs. 1 Satz 1, 1. Var. HGB für Eigengeschäfte verneint (LS 45).
Schließlich hat der Senat entschieden, dass dem VU Nachbearbeitungsmaßnahmen auch dann obliegen, wenn es sich bei dem VN des notleidenden Versicherungsvertrages um die Schwester des VV handelt.
Es erscheint zweifelhaft, ob sich die Grundsätze der Entscheidung durchsetzen werden. Allgemein kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Mitursächlichkeit des unechten Untervertreters für Geschäftsabschlüsse zu verneinen ist, wenn der unechte Hauptvertreter dem U Geschäftsanträge ohne Wissen des unechten Untervertreters über dessen Agenturkonto zuleitet (vgl. Anm. 12.3). Jedenfalls dürfte die Mitursächlichkeit danach zu beurteilen sein, ob der unechte Untervertreter die Kontierung der Anträge als geschäftsähnliche Handlung gegen sich gelten lässt (Anm. 12.2). Im Übrigen entscheidet nicht der vom HV subjektiv verfolgte Zweck, sondern die vom HV objektiv an Mitwirkung erwartete Leistung darüber, ob eine Mitursächlichkeit gegeben ist (Anm. 13.2). Der Anspruch auf Rückzahlung unverdienter Provisionsvorschüsse dürfte seinen Rechtsgrund in der mit Gewährung und Annahme der Vorschüsse zustande kommenden Vorschussabrede finden, wenn der U mit der Vorschussgewährung nicht einer Verpflichtung nach dem HVV nachgekommen ist, einen Vorschuss zu zahlen (Anm. 19.8 f.). Auch wenn ein Anspruch des HV auf Provision nach § 87 Abs. 1 Satz 1, 1. Var. HGB für Eigengeschäfte zu verneinen ist (Anm. 1.1 ff. zu OLG Hamburg, 11.10.1916), kommt ein Anspruch aus § 354 HGB in Betracht (Anm. 1.14 zu OLG Hamburg, 11.10.1916). Ob dem VU Nachbearbeitungsmaßnahmen für notleidende Versicherungen obliegen, die die Schwester des VN geschlossen hat, dürfte Tatfrage sein, so dass aus der Entscheidung nicht ableiten lässt, ob der im Zusammenhang mit den Nachbearbeitungsgrundsätzen verwendete Begriff der Angehörigen einschränkend gegenüber § 15 AO bzw. des § 11 StGB dahin zu verstehen ist, dass Geschwister ausgenommen sind.
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