vorgehend LG Frankfurt/Main, 08.11.2024 - 3-13 O 31/24 -;
1. Die Entscheidung ist in den nachstehenden fünf Punkten für die Praxis von Bedeutung.
2.1 Zunächst erweitert die Entscheidung die bisher auf klassische Austauschverträge beschränkte Spruchpraxis, nach der der U mit der Provisionsabrechnung auch alle für den Buchauszug erforderlichen Daten liefern kann (BGH, 23.10.1981 LS 6 m.w.N.HF – Warengeschäfte –) auf Mietverträge und damit Gebrauchsüberlassungs- bzw. Nutzungsverträge von bestimmter oder unbestimmter Dauer i.S.d. § 87 b Abs. 3 Satz 1 HGB (LS 1).
2.2 Überdies geht die Entscheidung über die bisherige Spruchpraxis hinaus, soweit sie es für den Buchauszug ausreichen lässt, dass der U begleitend zu den einzelnen monatlichen Provisionsabrechnungen die für den Buchauszug erforderlichen Daten liefert, wenn zwischen den Parteien eine Pensum- oder Staffelprovision vereinbart wird (LS 1), die sich aus der Summe der Geschäftsabschlüsse eines Kalenderquartals errechnen und die damit über den einzelnen Monatsabschnitt hinaus geht (vgl. LS 40, 62).
2.3 Abweichend von der bisherigen Spruchpraxis der Gerichte erkennt der Senat Statusdaten für einen Buchauszug nicht an wie etwa Name und Anschrift des Kunden (vgl. dazu Anm. 60.1 ff.), sondern lässt die Mitteilung der Vertragsnummer genügen (LS 60).
2.4 Ferner weicht der Senat von der herrschenden Spruchpraxis (OLG Hamm, 06.07.2001 LS 29 – Metallbaubedarf –; 21.03.1997 LS 11 lit. b m.w.N. HF – Versicherungen –) ab, indem er einen Anspruch auf Mitteilung des Inhalts der Reservierungsanfrage des Kunden (LS 33) und damit des Antrags des Dritten im Buchauszug verneint (Anm. 33.1 ff.).
2.5 Endlich weicht der Senat insofern von der Spruchpraxis (OLG Celle 27.08.1962 LS 1 m.w.N.HF) ab, als er die entstandene Einzelprovision im Buchauszug als geschuldet ansieht (LS 29), während er dies mit der vorherrschenden Meinung (OLG Hamm, 06.07.2001 LS 27 m.w.N.HF – Metallbaubedarf –) für gezahlte Provisionen verneint (LS 74), darüber hinaus aber auch auf vom U verrechnete Rückprovisionsforderungen gelten lassen will (vgl. dazu Anm. 74.1 ff.).
3. Für die Praxis ist im Ergebnis nicht davon auszugehen, dass sich die Entscheidung durchsetzen wird. Versuche, das Kontrollrecht auf Buchauszug auch in Fällen der Vermittlung von Dauerverträgen durch fortlaufend bereitgestellte Abrechnungsdaten als erfüllt anzusehen (vgl. AG Aachen, 03.03.2000 LS 1 m.w.N.; sowie Segger, FS für Thume 2008, S. 109, 116, 117) scheitern spätestens an der Herausforderung, provisionspflichtige Geschäfte nicht nur mit dem augenblicklichen Stand zu spiegeln (BGH, 20.09.2006 LS 8 - AXA 6 -), sondern übersichtlich und so geschlossen in ihrem Verlauf darzustellen (OLG Düsseldorf, 20.11.2006 LS 5 – ARAG 15 –), dass zusammen gehörende Geschäftsvorgänge nicht auseinander gerissen werden (OLG Bamberg, 10.12.2014 LS 25 m.w.N.HF – Versicherungen, Bausparverträge und Kapitalanlagen –). Wird der U diesen Anforderungen nicht gerecht, überantwortet er letztlich die ihm nach der zwingenden Vorschrift des § 87 c Abs. 2 HGB obliegende Pflicht, die erforderlichen Daten zusammenzustellen (OLG Frankfurt/Main, 25.09.2014 LS 24 – Commerzbank 2 –), in unzulässiger Weise dem HV (OLG Düsseldorf, 11.06.2003 LS 15; 02.11.2001 LS 6), dem diese Aufgabe nach dem Gesetz nicht zukommt (OLG Düsseldorf, 05.02.1993 LS 20 m.w.N.HF – Versicherungen, Bausparen und Finanzierungen –). Es ist allein Sache des U, sich auf die Erfüllung der ihm gegenüber allen seinen HV obliegenden gesetzlichen Verpflichtung zur Erteilung des Buchauszugs in geeigneter Weise einzurichten (OLG Oldenburg, 04.07.1969 LS 28). Eine hiervon abweichende Auslegung wäre mit Art. 10 Abs. 2 RiLi 86/653/EWG unvereinbar, wonach der U dem HV einen Auszug aus den Büchern zu geben hat, über die der U verfügt und die der HV zur Nachprüfung des Betrags der ihm zustehenden Provisionen benötigt. Deshalb bleibt es bei dem Grundsatz, dass eine geordnete Vielzahl von Provisionsabrechnungen den Anspruch auf einen zusammengefassten, geordneten Buchauszug nicht zu ersetzen vermag, wenn eine immense Vielzahl von Geschäftsvorfällen in Rede steht (OLG München, 19.12.2012 LS 15 – italienische, österreichische und spanische Weine –). Die Entscheidung lässt keine Umstände erkennen, die dies in Zweifel ziehen könnte. Deshalb handelt es sich daher um einen Ausreißer, der in keiner Weise geeignet ist, der Praxis verlässliche Maßgaben für die Ausgestaltung des Buchauszugs an die Hand zu geben.
3.1 Bezogen auf die Erweiterung der Spruchpraxis zur parallelen Abbildung der für den Buchauszug erforderlichen Daten auf Dauerverträge sowie Pensum- und Staffelprovisionen, die jeweils über die einzelne Abrechnungsperiode hinausgehen oder hinausgehen können, dürfte sehr zweifelhaft sein, dass die Entscheidung Gefolgschaft findet. Die Entscheidung liefert keine Antworten darauf, wie der U durch gestückelte Lieferungen von Angaben den Anforderungen an die Übersichtlichkeit des Buchauszuges gerecht werden kann. Dies stellt die Praxis vor große Herausforderungen bei Provisionsansprüchen, deren Voraussetzungen in den Punkten (bedingte) Entstehung, Höhe, Fälligkeit und Wegfall sich über eine Abrechnungsperiode hinausgehend ändern können. Deshalb ist die grundsätzliche Möglichkeit einer buchauszugserfüllenden Abrechnung bisher auch nicht auf Versicherungsverträge übertragen worden.
3.2 Soweit die Entscheidung dem HV die Mitteilung von Antragsdaten im Buchauszug versagt, dürfte sich dies nicht durchsetzen. Die Entscheidung erörtert nicht die Bedeutung des Antrags für das Zustandekommen des Geschäfts und damit den Provisionsanspruch des HV (vgl. dazu Anm. 33.4 ff.).
3.3 Dass es sich durchsetzen wird, Statusangaben im Buchauszug als nicht mehr geschuldet anzusehen, obwohl sie dem HV die Feststellung des Entstehens, der Höhe, des Untergangs und der Fälligkeit der Provision erleichtern (LS 39), dürfte ebenso wenig anzunehmen sein. Dies muss vor allem deshalb gelten, weil der Senat selbst hervorhebt, dass diese Daten dem HV die Kontrolle seiner Provisionsansprüche erleichtert.
3.4 Was die Position Einzelprovision anbelangt, ist der Entscheidung nicht zu entnehmen, warum sie von der herrschenden Spruchpraxis abweicht. Ebenso liefert die Entscheidung Argumente dafür, warum zur Aufrechnung gestellte Gegenforderungen des U nicht im Buchauszug weiter zu vereinzeln sind, die sich aus Geschäften ableiten, die nicht so ausgeführt worden sind wie es ursprünglich vorgesehen war.
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